Wie bereits vorherige Umfragen vermuten ließen, verlieren die USA langsam ihren Platz als beliebtestes Studienland für chinesische Studenten. Das Wachstum der Studenten aus China in den USA war 2019-2020 so gering wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Schuld ist neben der Pandemie vor allem die diskriminierende Politik der aktuellen US-Regierung gegenüber Chinesen.

Chinesische Studenten auf der Abschlusszeremonie im Mai im letzten Jahr an der Universität Columbia in New York.

Ein Beamter des US-Außenministeriums versicherte, das Land werde weiterhin Studenten aus China willkommen heißen, obwohl die jüngste Visapolitik diese größte Quelle von ausländischen Studenten in den USA (Chinesen), inmitten eines generellen Rückgangs von internationalen Studenten um 43 Prozent beeinträchtigt hat.

Die Zahl der chinesischen Studenten in den USA verzeichnete die niedrigste Wachstumsrate seit einem Jahrzehnt (0,8 Prozent) und erreichte im akademischen Jahr 2019-2020 372.532. Damit bleibt China aber nach wie vor das wichtigste Herkunftsland für internationale Studenten in den USA, wie aus einem am Montag veröffentlichten Bericht hervorgeht.

Studenten aus China machten demnach 34,6 Prozent der etwas mehr als einer Million internationalen Studenten in den USA im akademischen Jahr 2019-20 aus, so der Bericht mit dem Namen „2020 Open Doors Report on International Educational Exchange“.

Bereits vor der COVID-19-Pandemie sei die Zahl der internationalen Studenten an US-Hochschulen um 1,8 Prozent zurückgegangen, hieß es in dem Bericht. Da die Pandemie in den USA auch acht Monate nach ihrem Ausbruch immer noch wütet, dürfte sich der Rückgang der internationalen Studierenden in der Zukunft fortsetzen.

Bereits im Herbstsemester 2020 ging die Neuimmatrikulation internationaler Studenten um 43 Prozent zurück, wie aus dem„2020 Fall International Student Enrollment Snapshot Survey“, der zusammen mit dem Open Doors-Bericht veröffentlicht wurde, hervorgeht.

99 Prozent der US-Hochschulen unterrichteten im Herbstsemester 2020 online oder benutzten ein hybrides Lehrmodell aus Online- und Offline-Unterricht. Zudem hätten 90 Prozent der Institutionen im Herbst 2020 gemeldet, dass die Ankunft internationaler Studenten verschoben werden müsse, so die Umfrage, die vom „Institute of International Education“ und neun Partnerhochschulverbänden durchgeführt wurde. Mehr als 700 der befragten Hochschuleinrichtungen gaben an, dass fast 40.000 Studenten ihre Einschreibung auf ein zukünftiges Semester verschoben haben.

Da sich die Beziehungen zwischen den beiden führenden Volkswirtschaften der Welt in den letzten Monaten verschlechtert haben, hat die Regierung von US-Präsident Donald Trump unter Berufung auf nationale Sicherheitsbedenken die Restriktionen für und die Kontrolle über einige chinesische Studenten und Forscher deutlich verschärft. So widerriefen die USA beispielsweise vor dem Herbstsemester die Visa von mehr als 1000 chinesischen Staatsbürgern, nachdem der Präsident am 29. Mai verkündet hatte, die Einreise einiger Studenten und Forscher aus China wegen Sicherheitsbedenken auszusetzen, wie das US-Außenministerium mitteilte.

Auf die Frage, ob chinesische Studenten in den USA „gleich und fair" behandelt werden, sagte ein Beamter des US-Außenministeriums der China Daily: „Wir heißen weiterhin chinesische Studenten für ein legitimes Studium in allen Bereichen willkommen.“

Das chinesische Außenministerium hat jedoch erklärt, dass die US-Visabeschränkungen für chinesische Studenten und Forscher deren legitime Rechte und Interessen ernsthaft untergraben hätten und den gemeinsamen Bestrebungen nach einem freundschaftlichen zivilen Austausch zuwiderlaufen.

Ein im Juni von „New Oriental“ - Chinas führendem Bildungsdienstleister - veröffentlichtes Weißbuch deutet darauf hin, dass 42 Prozent der chinesischen Studenten an einem Studium in Großbritannien interessiert seien, verglichen mit 37 Prozent, die ein Interesse an den USA zeigen. Das war das erste Mal, dass sich das bevorzugte Zielland chinesischer Studenten hinsichtlich eines Auslandsstudiums geändert hat.

Aus dem Bericht „2020 Open Doors“ geht auch hervor, dass US-Studenten vor der Pandemie ein starkes Interesse an Auslandsstudienprogrammen zeigten – so studierten im akademischen Jahr 2018-19 insgesamt 347.099 US-Studenten im Ausland. Das entsprach einem Anstieg von 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

China ist das beliebteste Ziel für US-Studenten in Asien und zieht 11.639 Studenten an seine Universitäten. Dem Bericht zufolge entspricht das etwa der Zahl der US-Studenten, die nach Deutschland oder Irland gehen.

Während 52 Prozent der internationalen Studenten in den USA 2019-20 einen Studiengang in den MINT-Fächern (Naturwissenschaften, Technologie, Ingenieurwesen und Mathematik) absolvierten, sind die drei beliebtesten Fächer für US-Studenten außerhalb ihres Landes dem Bericht zufolge Wirtschaft und Management, Sozialwissenschaften sowie Natur- und Biowissenschaften.

Internationale Studenten tragen fast 44 Milliarden US-Dollar zur US-Wirtschaft bei und schaffen somit mindestens 450.000 US-Arbeitsplätze, so der „2020 Open Doors“-Bericht unter Berufung auf Zahlen des US-Handelsministeriums.