Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat für 2020 ein Wachstums der chinesischen Wirtschaft um 1,9 Prozent vorher gesagt und liegt damit im Vergleich zu seiner Prognose vom Juni diesen Jahres doppelt so hoch. Man geht davon aus, dass das Land auch weiterhin durch seine stabile Produktion und den gesunden Dienstleistungssektor an der Spitze der Erholung der Weltwirtschaft stehen wird.

Folgt man dem am Dienstag veröffentlichten Ausblick des IMF auf die Weltwirtschaft, so bleibt China die einzige große Volkswirtschaft, die 2020 eine Steigerung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) verzeichnen kann. Für das kommende Jahr liegt die Wachstumsprognose bei 8.2 Prozent.

Die Vorhersage erfolgt im Vorfeld der für nächste Woche erwarteten Veröffentlichung der chinesischen Wirtschaftsdaten für das dritte Quartal.

Einige Volkswirte erwarten einen Anstieg des BIP um mehr als fünf Prozent, nachdem im zweiten Quartal bereits eine Steigerung um 3,2 Prozent erfolgt ist.

In seinem jüngsten Bericht sagte der IMF für 2020 einen Rückgang der Weltwirtschaft um 4,4 Prozent voraus, ein "weniger gravierendes" Szenario als noch am Ende des zweiten Quartals vorher gesagt. Für die USA sieht die Organisation einen Rückgang der Wirtschaft um 4,3 Prozent voraus, im Juni war noch ein Minuswachstum von acht Prozent erwartet worden.

Für das Jahr 2021 geht man von einer Erholung der US-Wirtschaft um 3,1 Prozent aus, was um 1,4 Prozentpunkte unter einer früheren Vorhersage liegt.

"Im Vergleich zu unserer Prognose vom Juni gehen wir von einer weniger einschneidenen, aber dennoch massiven Rezession im Jahr 2020 aus," heißt es in dem jüngsten Quartalsbericht des IMF.

"Diese Korrektur verdankt sich den Ergebnissen des zweiten Quartals in den großen, entwickelten Volkswirtschaften, die weniger schlecht waren als erwartet. Hinzu kommen Chinas deutlichere Rückkehr zum Wachstum und eine schnellere Erholung der Wirtschaft im dritten Quartal."

In seiner im Juni veröffentlichten Prognose für die Weltwirtschaft hatte der IMF für China ein Wachstum um ein Prozent vorhergesagt. Im Oktober-Bericht sagte der IMF, dass sich die chinesische Volkswirtschaft im zweiten Quartal besser entwickelt habe als erwartet, da nach der Lockerung des Lockdowns Anfang April die öffentliche Hand durch ihre Investitionen dazu beigetragen habe, die Wirtschaft wieder in Gang zu setzen.

Im Jahresvergleich wuchs Chinas BIP im zweiten Quartal um 3,2 Prozent und kompensierte nach den Angaben des Statistikamtes so den Rückgang von 6,8 Prozent im ersten Quartal.

Der IMF ist nicht die einzige internationale Organisation, die ihre Erwartungen an China angehoben haben. Die Weltbank geht in ihrem jüngsten Bericht davon aus, dass Chinas Wirtschaft im Jahr 2020 um zwei Prozent wachsen wird, im Juni war nur ein Prozent vorhergesagt worden. Andere Rating-Agenturen habe ebenfalls ihre Prognosen für Chinas BIP korrigiert: Moody´s sagt 1,9 Prozent voraus, Fitch 2,7 Prozent. Beide Agenturen sehen China als die einzige große Volkswirtschaft, die in diesem Jahr ein Wachstum verzeichnen kann.