Die EU hat bekannt gegeben, sogenannte Antidumpingzölle von bis zu 48 Prozent gegen chinesische Aluminiumprodukte einzuführen. Experten zufolge wird dieser Schritt nur wenig Auswirkungen auf Chinas Exporte haben, dafür aber die Kosten für die europäischen Unternehmen deutlich erhöhen.

Aluminium-Strangpressprodukte werden in einer Frabrik in der ostchinesischen Provinz Zhejiang hergestellt. (24. Juli)

Eine EU-Entscheidung zur Einführung von Antidumpingzöllen von bis zu 48 Prozent auf chinesische Aluminium-Strangpressprodukte [Strangpressen meint ein Umformverfahren zum Herstellen von Stäben, Drähten, Rohren und unregelmäßig geformten prismatischen Profilen; auch Extrusion genannt] werde grundsätzlich nur begrenzte Auswirkungen auf chinesische Aluminiumexporte haben. Für die nachgelagerten EU-Unternehmen werde der Schritt allerdings die Produktionskosten erhöhen, mahnten chinesische Experten und Analysten am Mittwoch.

Die Kommentare kamen, nachdem die EU angekündigt hatte, dass sie ab Mittwoch vorübergehende Importzölle zwischen 30,4 und 48 Prozent auf chinesische Aluminium-Strangpressprodukte erheben werde. Die Zölle würden zunächst bis zum Abschluss einer Untersuchung im April nächsten Jahres gelten.

Die Europäische Kommission traf die Entscheidung als Reaktion auf eine Beschwerde der Branchenorganisation „European Aluminium“ – dazu gehören unter anderen Norsk Hydro und Rio Tinto. Die Kommission hatte im Februar eine entsprechende Untersuchung eingeleitet.

Liu Lingan, ein Industrieanalyst, sagte, dass die EU-Zölle einen „schwachen" Einfluss auf die Exporte chinesischer Aluminiumprodukte im Allgemeinen haben würden, da der größte Teil der neuen Nachfrage in diesem Jahr aus Südostasien, Südamerika und Afrika komme.

Chinas Aluminiumexporte sind in den letzten Jahren bereits in den USA, Kanada, Australien und Vietnam mit Antidumpingzöllen belegt worden.

Nach Angaben des Informationsanbieters für die Metallindustrie „Shanghai Metals Market“ entfielen 2019 etwa 13 Prozent der chinesischen Aluminium-Strangpressexporte auf die EU-27 [ohne Großbritannien]. Das ist nur unbedeutend mehr als der 12-prozentige Anteil Vietnams.

Im Jahr 2019 beliefen sich Chinas Exporte von Aluminium-Strangpressprodukten, die in Bereichen vom Bau bis hin zu Fahrzeugen verwendet werden, auf 1,04 Millionen Tonnen. Diese Exporte machten damit nur etwa 10 Prozent der Gesamtproduktion aus.

Liu räumte jedoch ein, dass ein 40-prozentiger Zoll die Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Exporteure mit Fokus auf der EU effektiv zunichtemachen und sie dazu zwingen würde, sich auf andere Länder oder den heimischen Markt zu fokussieren.

Chen Xin, Forscher am Institut für Europastudien an der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften, betonte gegenüber der Global Times am Mittwoch, dass Handelsstreitigkeiten zwischen China und der EU, zwei riesigen Volkswirtschaften mit einem bilateralen Handelsvolumen von über 560 Milliarden Euro im Jahr 2019, unvermeidlich seien.

„Solange der Wert, um den es [bei der Untersuchung] geht, nicht sehr groß ist und die Untersuchung nicht auf Hintergedanken beruht, sollte sie so akzeptiert werden, wie sie ist", sagte Chen. Es bestehe weiter Hoffnung darauf, dass der Streit im Geiste der Zusammenarbeit gelöst werden kann, so Chen, denn die Zölle würden auch die Kosten für EU-Unternehmen, die solche Produkte verwenden, erhöhen. Die chinesischen Aluminiumexporte in die EU haben sich laut „European Aluminium“ im Vergleich zu vor vier Jahren verdoppelt.

Der Chinesische Verband der Nichteisenmetallindustrie machte in einer Erklärung im Februar deutlich, dass für die EU-Produzenten kein Schaden entstehen würde und kein Dumping durch chinesische Exporteure stattfinde.

„Die EU-Aluminium-Strangpressproduzenten sollten die chinesischen Exporteure nicht für ihre unzulängliche Betriebsführung verantwortlich machen".

Die Aktien der in Shenzhen notierten Guangdong Haomei New Materials Co, die in die EU, nach Afrika und Südostasien verkauft, fielen am Mittwoch um 1,76 Prozent.

In seinem im August veröffentlichten Zwischenbericht sagte Haomei, dass es im Jahr 2019 Produkte im Wert von 733,49 Millionen Yuan exportiert habe. Das habe 24,73 Prozent seiner Betriebseinnahmen entsprochen.

Das Unternehmen machte deutlich, dass bestimmte Industrieländer inmitten eines zunehmenden Trends zum Handelsprotektionismus beginnen würden, sich der Anti-Dumping-Politik zuzuwenden. Es werde daher seine Expansion in Ländern und Regionen entlang der Neuen Seidenstraßeninitiative sowie auf dem Inlandsmarkt verstärken, um die negativen Auswirkungen dieser Trends auszugleichen.