Nach Auffassung des chinesischen Botschafters in den USA, Cui Tiankai, hätten sich die Beziehungen zwischen China und den USA stark gewandelt. Die internationale Gemeinschaft erwarte, dass die beiden Länder zur Lösung globaler Probleme zusammenarbeiteten.

Archivfoto vom chinesischen Botschafter in den USA, Cui Tiankai

"Die Beziehungen haben sich ausgeweitet, sie haben sich vertieft, und sie sind schwieriger, umfassender und komplexer geworden. Wir haben viele neue Felder der Zusammenarbeit eröffnet, Felder, die wir uns früher noch gar nicht hätten vorstellen können!" sagte der Botschafter kürzlich in einem Interview mit dem ehemaligen amerikanischen Finanzminister Hank Paulson.

"Wir haben viele Felder der Kooperation miteinander eröffnet, Probleme sind wir in konstruktiver und pragmatischer Weise angegangen," sagte der Botschafter im Podcast-Programm "Straight Talk with Hank Paulson."

Auch während der COVID-19-Pandemie hätte es ein hohes Maß an Zusammenarbeit zwischen chinesischen und amerikanischen Städten und Provinzen und Bundesstaaten gegeben. Auch arbeiteten Unternehmen und Institutionen beider Länder eng zusammen. Zudem würden auch Probleme wie Klimawandel, internationaler Terrorismus und Epidemien wie Ebola in Afrika behandelt, sagte Cui.

"Ehrlich gesagt werden uns einige Probleme noch viele Jahre lang begleiten. Wir müssen anerkennen, dass es immer unterschiedliche Auffassungen zwischen uns geben wird, weil wir zwei sehr unterschiedliche Länder mit verschiedenartigem geschichlichen Erbe, verschiedenen Kulturen und unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Systemen sind. Aber wir müssen mit diesen Verschiedenartigkeiten auf konstruktive Weise umgehen.

Wir dürfen nicht vergessen, dass unsere gemeinsamen Interessen und Bedürfnisse weitaus größer sind als jede Art von Problem, das wir miteinander haben mögen. Wir stehen so vielen globalen Herausforderungen gegenüber. Weder China noch die USA können diese im Alleingang lösen, ganz gleich, ob es sich dabei um die Pandemie, den Klimawandel oder Naturkatastrophen handelt," sagte Cui.

"Wir haben eine sehr komplexe Beziehung. Manches Mal gibt es Streit über einzelne Themen. Glücklicherweise haben wir diese Streitigkeiten bislang ganz gut in den Griff bekommen. Gegenwärtig sind wir jedoch sehr besorgt, ja, sogar alarmiert. Es gibt in diesem Land ganz klar Versuche, sogenannte rote Linien zu überschreiten, was zu sehr ernsten Konsequenzen führen kann. Deshalb hoffe ich sehr, dass die Menschen die Lehren und Erfahrungen der letzten Jahrzehnte gut nutzen werden," meinte Cui.

Chinas Außenpolitik sei gegründet "auf der Wahrnehmung unserer Auffassung nationaler Interessen und wie in der heutigen Welt diese Interessen voranzubringen sind. Dabei geht es nicht zuletzt darum, wie vor dem Hintergrund dieser nationalen Interessen unsere Beziehungen zu anderen Ländern zu gestalten sind und was für unser Volk notwendig ist."

"In diesem Sinne gibt es also eine klare Kontinuität und Konsistenz in Chinas Politik gegenüber den Vereinigten Staaten … Es war von Anbeginn klar, dass wir eine konstruktive und kooperative Beziehung mit den USA haben wollten, und keine, die auf Konflikten beruhte," so Cui.

"Wir wollen diese Beziehung auf gegenseitigen Respekt, gegenseitiges Verständnis und hoffentlich auch gegenseitige Übereinkunft mit dem Ziel gegenseitigen Nutzens gründen. Dies war von Anbeginn der Kern unserer Politik seit den Tagen des China-Besuchs von Präsident Nixon und Doktor Kissinger. Ich glaube nicht, dass es hinsichtlich dieser grundsätzlichen Position zu einer Änderung gekommen ist," sagte Cui.

Das Gespräch des Botschafters mit Hank Paulson wurde am 28. August geführt und am selben Tag ausgestrahlt. Themen waren der gegenwärtige Stand der sino-amerikanischen Beziehungen, die bilateralen Wirtschafts- und Handelskooperationen, Global Governance und Chinas Wirtschaft.