Während der mögliche Besuch eines US-Beamten auf der Insel Taiwan verurteilt wird, weil er Chinas rote Linie in Frage stellt und Streitigkeiten verschärft, soll der ehemaliger Vizeparteichef der Kuomingtang (KMT), Wang Jin-pyng, Berichten zufolge auf das chinesische Festland zu einem Cross-Strait-Forum reisen. Experten äußerten positive Erwartungen an diese Reise und sagten, das Forum könnte zu einem „Eisbrecher“ für die derzeitigen Beziehungen zwischen den beiden Seiten der Meerenge werden. Laut taiwanesischen Medien soll Wang die KMT-Delegation zum diesjährigen Cross-Strait-Forum in Xiamen in der ostchinesischen Provinz Fujian leiten. Das Forum wird am 19. September beginnen.

Der Wolkenkratzer Taipeh-101 in Taipeh, Taiwan.

In einer Erklärung der KMT hieß es, dass Wang inmitten der aktuellen Spannungen zwischen beiden Seiten der Meerenge aufgrund seiner Erfahrung und seines Rufs sicherlich in der Lage wäre, die Sorgen der Taiwaner über die Situation auf beiden Seiten der Meerenge effektiv an das Festland zu kommunizieren und das Verständnis über die Meerenge hinweg zu fördern, so die Medien.

Angesichts der gegen das Festland gerichteten Haltung der separatistischen Behörden der Demokratischen Fortschrittspartei (DPP), die durch ihre häufigen Interaktionen mit den USA, einschließlich des bevorstehenden Besuchs des Staatssekretärs im US-Außenministerium, Keith Krach, auf der Insel, noch verstärkt wurde, nehme der gute Wille der Festlandbewohner gegenüber Taiwan rapide ab, sagten Beobachter vom Festland. Der mögliche Besuch der KMT-Delegation könnte deshalb eine wertvolle Gelegenheit für das Festland und rationale Stimmen auf der Insel Taiwan darstellen, um sich auszutauschen.

Li Xiaobing, ein Experte für Hongkong, Macao und Taiwan von der Nankai-Universität in Tianjin, sagte, dass die Bedeutung des möglichen Besuchs von Wang anerkannt werden müsse. Als hochrangiger und mächtiger Politiker auf der Insel könnte Wangs Besuch inmitten der Spannungen auf beiden Seiten der Meerenge zu einem „Eisbrecher" werden, so Li.

Während des diesjährigen Forums werden etwa 30 Veranstaltungen zu den Themen Seuchenbekämpfung, Kultur, Wirtschaft und Jugendaustausch stattfinden.

Im Gegensatz zu Wangs möglichem Besuch, den viele Beobachter auf dem Festland freudig erwarten, wird Krachs möglicher Besuch auf der Insel als eine gefährliche Provokation bewertet, die die regionale Stabilität angesichts der häufigen militärischen Provokationen der USA in der Region weiter gefährden könnte.

Die taiwanesischen Medien berichteten, dass die Insel den wirtschaftlichen Dialog und die Beziehungen zu den USA vorantreibe und möglicherweise auch die Verhandlungen über das Rahmenabkommen über Handel und Investitionen wieder aufnehmen werde. Krach ist für Wirtschaftswachstum, Energie und Umweltangelegenheiten zuständig. Bereits im August hatte der US-Gesundheitsminister Alex Azar die Insel besucht und dabei einige Kooperationsdokumente unterzeichnet.

Ni Feng, stellvertretender Direktor des Instituts für Amerikastudien der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften, sagte, der Besuch des US-Beamten werde definitiv zu einer weitere Eskalation der Spannungen zwischen China und den USA führen. Dies sei eine Strategie, die die Trump-Administration bei den Wahlen anwende, indem sie „die Taiwan-Karte ausspielt" und die Anti-China-Stimmung in den USA anheizt, um mehr Stimmen zu gewinnen.

Das Festland sollte aber ruhig und vorsichtig bleiben, sich nicht durch solche Tricks fesseln lassen und weiterhin weise mit der Taiwan-Frage umgehen, erklärten Analysten vom Festland. Auch die rationalen Kräfte auf der Insel sollten sich nicht von den USA täuschen lassen, die Taiwan nur als Schachfigur benutzen und es gnadenlos aufgeben werden, sobald sich die Situation ändert, so die Experten.