Auf dieser Illustration vom 9. September 2020 ist ein mit dem Impfstoff etikettiertes Reagenzglas vor dem AstraZeneca-Logo in zu sehen.

Nachdem die britischen Sicherheitsbehörden grünes Licht gegeben hatten, habe AstraZeneca die klinischen Tests seines COVID-19-Impfstoffs – dessen Entwicklung weltweit mit am weitesten fortgeschrittenen ist – in Großbritannien wieder aufgenommen, wie das Unternehmen am Samstag mitteilte.

Die weit fortgeschrittenen Tests des Impfstoffkandidaten, der gemeinsam mit Forschern der Universität Oxford entwickelt wurde, waren diese Woche nach einer Erkrankung eines Studienteilnehmers in Großbritannien ausgesetzt worden, was Zweifel an einer baldigen Markteinführung aufkommen ließ.

„Am 6. September löste der Standardüberprüfungsprozess eine freiwillige Aussetzung der Impfungen für alle weltweiten Studien aus, um die Überprüfung der Sicherheitsdaten durch unabhängige Ausschüsse und internationale Regulierungsbehörden zu ermöglichen", erklärte AstraZeneca. Anschließend hätten die Sicherheitsprüfer der britischen Gesundheitsbehörde MHRA (Medicines Health Regulatory Authority) empfohlen, dass es sicher sei, die britischen Studien wieder aufzunehmen.

Der an der Studie beteiligte Patient hatte Berichten zufolge unter neurologischen Symptomen in Verbindung mit einer seltenen Entzündungserkrankung der Wirbelsäule (Transverse Myelitis) gelitten. Das in Cambridge ansässige Unternehmen AstraZeneca sagte, es könne keine weiteren medizinischen Informationen preisgeben.

„Das Unternehmen wird weiterhin mit Gesundheitsbehörden auf der ganzen Welt zusammenarbeiten und sich beraten lassen, wann andere klinische Studien wieder aufgenommen werden können, um den Impfstoff während dieser Pandemie auf breiter Basis, gerecht und ohne Gewinn zur Verfügung zu stellen", so AstraZeneca.

Die Staatliche Universität von Sao Paulo, die ebenfalls an den Studien beteiligt ist, sagte in einer Erklärung, dass 4.600 der geplanten 5.000 Freiwilligen bereits rekrutiert und geimpft worden seien, ohne dass einer von ihnen über ernsthafte Gesundheitsprobleme berichtet hätte.

Regierungen auf der ganzen Welt suchen verzweifelt nach einem Impfstoff, um die Pandemie zu beenden, die bereits mehr als 900.000 Todesopfer gefordert und globale wirtschaftliche Turbulenzen verursacht hat. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte den von AstraZeneca als den vielversprechendsten Impfstoff bezeichnet.

Der Impfstoff befindet sich in den USA, Großbritannien, Brasilien und Südafrika in der Spätphase der klinischen Erprobung. Darüber hinaus sind weitere Studien in Japan und Russland geplant.

„Weckruf“ zur richtigen Zeit

Die Unterbrechung der Tests erfolgte nach Berichten, denen zufolge die USA eine beschleunigte Zulassung oder Genehmigung eines Impfstoffs noch vor den Präsidentschaftswahlen im November anstreben würden.

Führende US-amerikanische und europäische Impfstoffentwickler haben sich jedoch dazu verpflichtet, die wissenschaftlichen Sicherheits- und Wirksamkeitsstandards für ihre Impfstoffkandidaten aufrechtzuerhalten und sich nicht dem politischen Druck zu beugen, den Prozess zu beschleunigen.

AstraZeneca hat bereits zugesagt, fast drei Milliarden Dosen an Regierungen auf der ganzen Welt zu liefern - mehr als jedes andere Impfstoffprojekt.

Der Chefwissenschaftler der WHO forderte, die kurzfristige Aussetzung der Tests sollte als „Weckruf" dienen und allen abermals vor Augen führen, dass es bei der Entwicklung eines Impfstoffs immer Höhen und Tiefen geben werde.