Eine neue Studie der Universität von Kalifornien (UCLA) legt nahe, dass das Coronavirus eventuell schon vor Weihnachten 2019 in den USA zirkulierte. Sollte sich diese Theorie bewahrheiten, würde dies das Narrativ über den Virusursprung komplett verändern.

Ein Mann mit einer Schutzmaske auf einer Straße in der Nähe von Venice Beach, Los Angeles (USA), am 10. April 2020.

Eine neue Studie von amerikanischen Forschern, die am Donnerstag veröffentlicht wurde, deutet darauf hin, dass das tödliche Coronavirus bereits Ende Dezember Los Angeles (Kalifornien) erreicht haben könnte und bereits Monate, bevor die ersten bestätigten Fälle in den USA identifiziert wurden, aktiv in der Gegend zirkulierte.

Für die Studie werteten Forscher der Universität von Kalifornien in Los Angeles (UCLA) mehr als zehn Millionen Patienten- und Gesundheitsdatensätze für Ambulanz-, Notaufnahme- und Krankenhauseinrichtungen der UCLA vom 1. Dezember 2019 bis zum 29. Februar 2020 aus und verglichen diese Datensätze mit Daten aus dem gleichen Zeitraum der letzten fünf Jahre. Dabei stellten sie einen beunruhigenden Trend fest: die ambulanten Klinikbesuche von UCLA-Patienten, die wegen Hustens behandelt werden wollten, nahmen um über 50 Prozent zu und übertrafen die durchschnittliche Zahl der Besuche wegen derselben Beschwerde in den vergangenen fünf Jahren um mehr als 1000.

Sie stellten auch ein „signifikantes" Übermaß bei der Zahl der Patienten fest, die aufgrund von Hustenbeschwerden in der Notaufnahme behandelt wurden, sowie bei Patienten, die in diesem Zeitraum mit akutem Lungenversagen ins Krankenhaus eingeliefert wurden.

Diese Exzesse würden selbst dann bestehen bleiben, wenn man die Veränderungen in der Patientenzusammensetzung und die saisonalen Schwankungen berücksichtigt, so die Studie, die im von Wissenschaftlern überprüften „Journal of Medical Internet Research" veröffentlicht wurde.

„Bei vielen Krankheiten können Daten aus dem ambulanten Bereich eine Frühwarnung für Notfallabteilungen und Krankenhaus-Intensivstationen darstellen", erklärte Joann Elmore, Hauptautorin der Studie und Professorin für Medizin an der David Geffen School of Medicine an der UCLA.

„Die Mehrheit der COVID-19-Studien wertet Daten zu Krankenhausaufenthalten aus, aber wir haben auch das größere Umfeld der ambulanten Einrichtungen betrachtet, wo die meisten Patienten sich zuerst an die medizinische Versorgung wenden, wenn Krankheiten und Symptome auftreten", sagte Elmore.

Die Forscher stellten fest, dass die ungewöhnlich hohe Zahl von Besuchern, Patienten und Krankenhausaufenthalten auf eine Ausbreitung von SARS-CoV-2 in der Gemeinschaft hingedeutet hätte, bevor das klinische Bewusstsein und die Testmöglichkeiten etabliert waren. Das könnte darauf hindeuten, dass das Coronavirus geräuschlos angekommen war und sich um Weihnachten 2019 unbemerkt an der Westküste Fuß verbreitet hat. Sollte dies zutreffen, würde dies die derzeitige Darstellung des Ursprungs des Virus in den USA erschüttern.

Das US-Seuchenkontrollzentrum (Centers for Disease Control and Prevention, CDC) berichtete am 21. Januar über den ersten COVID-19-Fall in den USA, bei dem es sich um einen Mann handelte, der von Wuhan in China in den Bundesstaat Washington reiste. Und erst am 26. Februar bestätigte das Zentrum die Verbreitung des Coronavirus innerhalb von Gemeinschaften in den USA.

Die Forscher der UCLA kamen aber nicht mit Sicherheit zu dem Schluss, dass das Coronavirus hinter den in ihrer Studie dargelegten Trends stand, da andere Faktoren für einen Teil dieses unerwarteten Anstiegs verantwortlich sein könnten, wie zum Beispiel der Gebrauch von E-Zigaretten oder die Grippe.