Vor rund 40 Jahren begrüßte die Welt das Ende der Entfremdung zwischen China und den Vereinigten Staaten. 1972 unternahm US-Präsident Nixon seine historische Reise nach China und begann damit die Annäherung beider Staaten. Der Besuch des Präsidenten führte im Jahre 1979 schließlich zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen China und den USA und zu mehr als 40 Jahren des Engagements auf einer Vielzahl von Gebieten.

US-Außenminister Mike Pompeo schien am 23. Juli in einer Rede in der Richard-Nixon-Gedächtnisbibliothek die von Nixon eingeleitete Politik als kläglichen Fehlschlag zu beschreiben. "Die Art unseres Engagements hat nicht die erwarteten Veränderungen innerhalb Chinas erbracht, die Nixon gehofft hatte, anzustoßen," sagte Pompeo in seiner Ansprache.

Der Auftritt Pompeos erfolgte vor dem Hintergrund wachsender Spannungen zwischen den beiden Ländern, nachdem US-Präsident Donald Trump die Schließung des chinesischen Konsultats in Houston, Texas, angeordnet hatte und China daraufhin die Schließung des amerikanischen Konsulats in Chengdu in der südwestchinesischen Provinz Sichuan verfügte.

Ein wichtiger Begleiter Nixons auf dessen Chinareise im Jahre 1972 hat sich nun zu Wort gemeldet. Der ehemalige US-Diplomat und Chefdolmetscher Nixons, Charles Freeman, will die Fakten richtigstellen. Die Einlassungen Pompeos sieht er nicht als außenpolitische Analyse, sondern als Wahlkampfrhetorik.

"Pompeo stellt falsch dar, was Nixon im Jahr 1967 gesagt hat," so Freeman. In einem Artikel, der 1967 in Foreign Affairs erschienen ist, hatte Nixon geschrieben: "Wir können es uns nicht leisten, China auf immer und ewig außerhalb der Gemeinschaft der Nationen zu halten."

"Was er damit sehr deutlich gemeint hat, war die internationale Stellung Chinas. Die Welt müsse sich ändern, um auf die sowjetische Aggression und Drohgebärden gegenüber China und die Welt zu reagieren," sagte Freeman gegenüber der China Daily in einem exklusiven Interview, das am vergangenen Freitag online geführt wurde. "Nixon meinte nicht, dass China sich im Inneren verändern müsse, was Pompeo nun verlangt," warnte Freeman.

In seiner Ansprache versuche Pompeo, zwischen der Kommunistischen Partei Chinas und dem chinesischen Volke zu differenzieren und das Volk dazu aufzurufen, den Kurs der Partei zu ändern. "Dies ist eine völlige Missdeutung der Beziehung zwischen Partei und Öffentlichkeit, oder der Öffentlichkeit und der Partei, einer Beziehung, die keine antagonistische ist," so Freeman.

"Wer sagt, dass das China-Engagement gescheitert sei, übersieht, dass die Kooperation zwischen den USA und China dazu beigetragen hat, den Kalten Krieg zu beenden. Sie sagen, dass wir unserem großen Feind China zur Entwicklung verholfen hätten, aber sie verstehen nicht, dass wir in vieler Hinsicht sehr von Chinas Entwicklung profitiert haben," meinte Freeman.

Freeman drückte seine Sorge über die Feindseligkeit gegenüber China in der US-Regierung aus. "China wird als Universalsündenbock missbraucht. Eine neue Qualität hat die Tatsache bekommen, dass die Falken innerhalb der US-Regierung die Oberhand gewonnen haben und nun im ganzen Land mit den Mitteln der Propagangda China dämonisieren." Mit China den Kampf zu suchen, würde am Ende nur zwei Verlierer produzieren.