In Hongkong gab es mit Stand von Mittwoch in den vergangenen acht Tagen jeweils mehr als 100 Neuinfektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV2. Die Regierung verhängte die Schließung aller Restaurants und verbot Menschenansammlungen von mehr als zwei Personen. Doch den Einwohnern gehen diese Bestimmungen nicht weit genug. Sie rufen nach strengeren Maßnahmen und fordern vor allem städteweite Tests, um die Zahl der Neuinfektionen zu senken.

Ein leeres Restaurant in Hongkong am 27. Juli.

Die Zahl der bestätigten COVID-19-Fälle stieg am Mittwoch auf 3003, von denen mehr als die Hälfte – über 1700 – in diesem Monat entdeckt wurden, berichteten Medien. 24 Menschen sind bisher an der Krankheit gestorben.

Hung Kam-in, Ausrichter des City Think Tank von Hongkong, rief zu städteweiten Tests wie in Wuhan und Beijing auf. 22 Krankenhäuser mit Testkapazitäten von 110 COVID-19-Tests sei viel zu wenig. Hongkong sollte mit Testinstituten vom Festland kooperieren, um ein Screening der ganzen Stadt zu ermöglichen.

Hung rief die Lokalregierung auch dazu auf, die Einführung von medizinischen Teams vom Festland zu beschleunigen, da diese mehr Erfahrung im Umgang mit COVID-19 hätten und die Pandemie erfolgreich unter Kontrolle gebracht und vielen Staaten der Welt bei der Bekämpfung der Krankheit geholfen hätten.

Die Zentralregierung werde Hongkong die notwendige Unterstützung bereitstellen, um die Epidemie zu bekämpfen, sagte die Nationale Gesundheitskommission in der vergangenen Woche.

In einem Interview mit dem chinesischen Fernsehsender CCTV empfahl Chinas führender Atemwegsexperte Zhong Nanshan kostenlose Tests in ganz Hongkong und rief die Stadt dazu auf, die Kommunikation mit dem Festland zu verbessern.

Insgesamt 1100 COVID-19-Patienten werden in 15 Krankenhäusern der Stadt behandelt, 79 Prozent davon in Unterdruckbetten. 82 Prozent der Unterdruckabteilungen seien bereits belegt, berichtete die Nachrichtenagentur Xinhua am Dienstag.

Der Krankheitsausbruch begann Anfang Juli. Manche Experten glauben, dass die Ursache auf einige eingeschleppte Fälle aus Europa zurückzuführen ist, insbesondere diejenigen, die bei der Einreise nach Hongkong von den Quarantänebestimmungen ausgenommen waren. Ende Juni waren die Maßnahmen zur Kontrolle und Prävention gelockert worden. Andere merkten an, dass illegale Zusammenkünfte trotz der von der Regierung verhängten Maßnahmen des Social Distancing für die rapide Verschlechterung der Lage verantwortlich gemacht werden sollten.

Die sogenannten Vorwahlen für den Legislativrat, die von der Hongkonger Opposition am 11. und 12. Juli ausgerichtet wurden, waren ein Schlüsselmoment für die Verbreitung der Epidemie, sagten Experten.

Dank mehr als 100 Neuinfektionen am Tag mit unbekanntem Ursprung stehe Hongkong jetzt vor einer ernsthaften Herausforderung, sagte Wong. Hongkong verzeichnete allein am Dienstag 106 neue Fälle, bei 50 davon ist die Quelle der Infektion noch nicht klar, berichtete Xinhua.

Die Situation in Hongkong bereitet auch der Nachbarstadt Shenzhen Sorge. Am 24. Juli kündigte Shenzhen die wechselseitige Anerkennung der Gesundheitschecks mit Hongkong auf, mit welcher Reisende auf das Festland bisher von der Pflicht zu einer vierzehntägigen Quarantäne ausgenommen waren.