Auf dem 4. World Intelligence Congress in Tianjin tauschen sich Experten aus dem Sektor der intelligenten Technologien diese Woche über wichtige Zukunftsfragen. Künstliche Intelligenz (KI) ist ein solches Thema. Damit KI in der Zukunft zum Wohle des Menschen genutzt werden kann, braucht es eine sorgfältige global abgestimmte Planung mit klaren Regeln, so die Experten.

Eröffnungszeremonie des 4. World Intelligence Congress im Tianjin Media Theatre

Am 23. Juni wurde im nordostchinesischen Tianjin der 4. World Intelligence Congress (WIC) eröffnet. Aufgrund der COVID-19-Pandemie fand das Treffen diesmal im Online-Format per Cloud-Technologie statt. Auf 40 verschiedenen Liveübertragungswebseiten und -plattformen verfolgten teilweise bis zu 58,6 Millionen Menschen die Cloud-Eröffnungszeremonie und die Konferenz. Insgesamt wurden 392 Millionen Aufrufe verzeichnet.

Das Thema dieser Konferenz lautete: „Intelligent New Era: Innovation Energization and Ecology“. Unter diesem Hauptthema wurden viele Unterthemen diskutiert und dazu passende Aktivitäten wie Konferenzen, Ausstellungen, Wettbewerbe und intelligente Erlebnissen organisiert. Gleichzeitig wurden so die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten intelligenter Technologien umfassend demonstriert.

In den letzten Jahren hat China vor allem auf den Sektor der KI einen immer größeren Fokus gelegt.

Wan Gang, stellvertretender Vorsitzender des Landeskomitees der Politischen Konsultativkonferenz des Chinesischen Volkes (PKKCV) und Vorsitzender der Chinesischen Vereinigung für Wissenschaft und Technologie, erinnerte in seiner Grundsatzrede an den 2017 vom Staatsrat herausgegebenen „Entwicklungsplan für KI der neuen Generation". Dieser habe eine umfassende systematische Anwendung der Technologie vorgeschlagen. Bis heute wurde bereits ein großes Projekt zur neuen KI-Generation organisiert und durchgeführt. Mit einer Gesamtinvestition von mehr als 1 Milliarde Yuan hat die Zentralregierung 15 offene KI-Innovationsplattformen der neuen Generation geplant und errichtet. Diese unterstützen Beijing, Shanghai und andere Orte beim Bau von elf Innovations- und Entwicklungstestzonen für KI der neuen Generation.

Neue Möglichkeiten für den Alltag durch intelligente Produkte

Der Komfort, den intelligente Technologien ermöglichen, geht aber weit über eine „Cloud-Konferenz“ hinaus: Seit dem Ausbruch der Epidemie durch das neuartige Coronavirus spielen intelligente Produkte auch im täglichen Leben eine enorm wichtige Rolle.

Yang Xu, Vizepräsident von Intel und Präsident von Intel China, erklärte, dass intelligente Technologien aufgrund der Epidemie zu einer Notwendigkeit für die Arbeit und das Leben geworden seien. Diese Veränderung beschrieb er als einen „bedeutenden wirtschaftlichen Strukturwandel".

Auch Liu Qingfeng, Vorsitzender von Iflytek Co. Ltd , hob die Bedeutung moderner intelligenter Technologien während der Epidemie hervor. So sei KI zum Beispiel als Unterstützung von Lehrern bei der Korrektur von Hausaufgaben eingesetzt worden oder habe Ärzte mit Ferndiagnosen in ihrer Arbeit entlastet. Derzeit erforsche Iflytek, wie man per Überwachung des Strom-, Gas- und Wasserverbrauchs den Gesundheitszustand von allein lebenden älteren Menschen und Menschen mit Behinderungen ableiten kann, damit Gemeindearbeiter auf Basis dieser Informationen bestimmten Gruppen effektiver Hilfe anbieten können. Liu ist der Ansicht, dass KI den menschlichen Bedürfnissen dienen muss.

Gesetzliche Normen und ethische Regeln sind unerlässlich

Mit der rapiden Entwicklung der intelligenten Industrie haben auch Sicherheitsbedenken hinsichtlich der KI viel Aufmerksamkeit bekommen. Edmund S. Phelps, Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften 2006, sagte, dass KI zwar Fehler machen könne, die Menschen jedoch eine tolerante Haltung einnehmen sollten, solange sich das abschätzbare Risiko in einem akzeptablen Bereich bewege. Parallel forderte er eine Stärkung der Gesetzgebung und Aufsicht, um mögliche negative Auswirkungen zu verhindern.

Professor Max Tegmark vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) und Autor des Buches „Life 3.0“ ist überzeugt davon, dass die Zukunft eine Ära der KI sein wird. Der Schlüssel, um jetzt sicherzustellen, dass die KI in der Zukunft dem menschlichen Wohlbefinden dient, sei einerseits eine sorgfältige Planung und andererseits das Pflegen der Stärken und Beheben der Schwächen von KI. „Um ein harmonisches Zusammenleben zwischen Mensch und KI zu ermöglichen, muss erstens eine klare Grenze gezogen werden, zwischen den Bereichen, in denen KI angewandt und wo sie nicht angewandt werden darf. Zweitens müssen wir eine gemeinsame positive Vision aufbauen."

Tegmark betonte auch, wie wichtig internationale Zusammenarbeit sei: „Die Bestimmung von Grenzen zur Anwendung und die weitere Forschung, damit KI sich in eine vorteilhafte Richtung entwickelt, sind äußerst herausfordernd. Kein Land kann dies alleine tun, so wie kein Land allein das neuartige Coronavirus bewältigen kann. Da sie [KI] alle betrifft, erfordert es auch die Anstrengungen aller."