Missverständnisse, inkorrekte Berichterstattung oder absichtlich produzierte Falschnachrichten? Seitdem Anfang Mai vermeintlich ein „geheimes Dokument“ über den Ursprung des neuartigen Coronavirus und Chinas Umgang mit dem Virusausbruch aufgetaucht ist, erscheinen in den westlichen Medien immer weiter Artikel über dieses Thema.

Deutsche Medien klärten am 16. Mai auf, was auf Fakten basiert, was nur Vermutungen sind, und was davon unbewusst inkorrekte Informationen und was absichtlich produzierte Falschinformationen sind.

Laut einem Bericht der „Deutschen Welle“ vom 16. Mai sind Informationen hinsichtlich des 15-seitigen „Geheimdokuments“ zunehmend widersprüchlich. In den ersten Presseberichten schrieben deutsche Medien, dass die sogenannte „Five Eyes"-Allianz (FVEY) - bestehend aus den Geheimdiensten der USA, Großbritanniens, Kanadas, Australiens und Neuseelands - China in einem internen Dokument beschuldigt habe, die weltweite Prävention des neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) behindert und verzögert zu haben. Der Bundesnachrichtendienst (BND) teilte den Bundestagsmitgliedern jedoch kurz darauf mit, dass kein solches geheimes Geheimdienstdokument existiere.

Am wichtigsten ist festzustellen, dass es keine Hinweise dafür gibt, dass SARS-CoV-2 ein künstlich hergestelltes Virus ist. Das ist auch die Position fast aller Regierungen und ihrer Geheimdienste. Richard Grenell, der US-amerikanische Geheimdienstkoordinator und gleichzeitig Botschafter in Deutschland, gab sogar offiziell eine Presseerklärung dazu ab. Die meisten Wissenschaftler und Regierungen vertreten die Auffassung, dass das Virus durch Fledermäuse auf den Menschen übertragen wurde.

Das angebliche „geheime Dokument“ der Five Eyes ist nur eine Erfindung der Journalisten. In dem Artikel im australischen „Daily Telegraph“ werden die Worte „geheimes Dokument“ auch nicht erwähnt. Die Autorin des Artikels, Sharri Markson, schrieb lediglich von einem „Forschungsbericht" für die westlichen Regierungen.

Nachdem andere Medien, insbesondere die deutschen Medien, dann über diesen Bericht schrieben, wurde er in ein „geheimes Dokument“ des Geheimdienstes umgewandelt. Aufgrund der Fehler und Missverständnisse der Journalisten westlicher Medien wurde also aus einem „Forschungsbericht“ ein „geheimes Dokument“ der Five Eyes.

Wie allseits bekannt ist, stammt der gesamte Inhalt des Dokuments aus öffentlich zugänglichen Quellen. Es gibt keine geheimen Informationen und folglich handelt es sich auch nicht um ein „Geheimdokument“. Nach der Veröffentlichung entsprechender Artikel in Australien erklärten britische Regierungsbeamte, dass sie nichts über ein vermeintliches geheimes Dokument wüssten. Auch der deutsche BND sagte, dass es möglicherweise einen Fehler gegeben habe oder es handele sich um absichtlich hergestellten Falschbericht.