Der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, hat am Mittwoch davor gewarnt, dass die Welt die erste Chance, COVID-19 zu besiegen, bereits vertan habe. Nun sollte die zweite Chance nicht auch noch vergeben werden. Die Welt habe bereits viele Pandemien und Krisen überwunden und werde auch diese überwinden. „Die Frage ist, wie hoch der Preis sein wird, den wir zahlen müssen“, sagte er auf einer virtuellen Pressekonferenz in Genf.

Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Tedros Adhanom Ghebreyesus

Wie viele weitere Leben verloren gehen werden, hänge von den Entscheidungen der Menschen und den Maßnahmen ab, die sie ergreifen. Nach Angaben der WHO sind bisher mehr als 16.000 Menschen an COVID-19 gestorben.

Er räumte ein, dass die beispiellosen Maßnahmen vieler Länder erhebliche soziale und wirtschaftliche Auswirkungen hätten, wie die Schließung von Schulen und Unternehmen, die Absage von Sportveranstaltungen und die Aufforderung an die Menschen, zu Hause zu bleiben.

Einige Länder wollen nun evaluieren, wann und wie sie diese Maßnahmen gelockert werden können. „Die Antwort hängt davon ab, was die Länder tun, während diese flächendeckenden Maßnahmen getroffen werden“, sagte der WHO-Chef. China, das bereits Erfolge bei der Eindämmung des Virus vorweisen kann, hat die Maßnahmen in vielen Städten gelockert, auch die Sperrung von Wuhan wird zum 8. April teilweise aufgehoben. Der amerikanische Präsident Donald Trump sagte am Dienstag, er wolle, dass sein Land bis Ostern wieder normal funktioniert. Die Osterfeiertage fallen in diesem Jahr auf den 12. April.

Tedros hob hervor, dass die Forderung, zu Hause zu bleiben und die Mobilität in der Bevölkerung zu beenden, Zeit verschaffe und den Druck auf die Gesundheitssysteme verringere, aber diese Maßnahmen alleine würden die Epidemien nicht beenden.

„Wir fordern alle Länder, die solche weitreichenden Lockdown-Maßnahmen getroffen haben, diese Zeit zu nutzen, um gegen das Coronavirus vorzugehen. „Sie haben ein zweites Zeitfenster geschaffen.“

Er zählte mehrere Maßnahmen auf, die die Staaten nun ergreifen sollten, dazu zählen Neueinstellungen und Schulungen im Gesundheitswesen, Einführung eines Systems, um Verdachtsfälle auf lokaler Ebene zu identifizieren, Steigerung der Produktion, Kapazität und Verfügbarkeit von Tests, Identifizierung, Anpassung und Ausstattung von Einrichtungen zur Behandlung und Isolierung von Patienten, Entwicklung eines klaren Plans und Prozesses zur Quarantäne von Kontakten sowie die Ausrichtung aller Regierungen auf die Eindämmung und Kontrolle von COVID-19.

„Diese Maßnahmen sind der beste Weg, um die Übertragung zu stoppen, damit sich das Coronavirus bei Aufhebung der Beschränkungen nicht wieder verbreitet“, sagte Tedros. „Ich denke, wir haben das erste Zeitfenster bereits verpasst.“ Damit bezog er sich auf die wiederholten eindringlichen Warnungen der WHO in den vergangenen zwei Monaten, dass sich das Zeitfenster schließe. Nun dürften die Menschen es nicht verpassen.