Laut einer Mitteilung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom Dienstag könnten die Vereinigten Staaten schon bald das neue globale Epizentrum der Coronavirus-Pandemie werden. Die WHO führte diese Befürchtung auf einen "sprunghaften Anstieg" der Zahl der Infizierten zurück. Landesweit hat COVID-19 in den USA inzwischen über 55.000 Menschen infiziert und mehr als 650 getötet.

Passanten mit Atemschutzmasken am Wall Street Bull (Foto: Wang Ying/ Xinhua)

Der Bundesstaat New York meldete am Dienstag einen weiteren sprunghaften Anstieg der Zahl der bestätigten Coronavirus-Fälle, als mehr Krankenhausbetten zur Verfügung gestellt wurden. New York City mit seinen mehr als 8 Millionen Einwohnern hatte bisher 192 Todesfälle zu verzeichnen, bei über 15.500 bestätigten Fällen von COVID-19 – fast ein Drittel der Gesamtzahlen in den USA am späten Dienstagabend.

„Wenn man das amerikanische Volk auffordert, zwischen der öffentlichen Gesundheit und der Wirtschaft zu wählen, dann ist das kein Widerspruch. Kein Amerikaner wird sagen, dass die Wirtschaft auf Kosten von Menschenleben gerettet werden sollte“, sagte der New Yorker Gouverneur Andrew Cuomo in einem Kongresszentrum in Manhattan, das in ein provisorisches Krankenhaus mit 1.000 Betten umgebaut wurde.

Cuomos Äußerungen können als Rüge an Präsident Donald Trump verstanden werden, der am Dienstag darauf gedrängt hatte, die US-Wirtschaft schon bis Mitte April wieder zu öffnen, und gefordert hatte, dass die Quarantäne gezielter eingesetzt werden sollte, um den Unternehmen so viel „Schmerz“ wie möglich zu ersparen.

Der erwartete Bedarf an Krankenhausbetten im Bundesstaat New York zum Höhepunkt des Ausbruchs sei auf 140.000 gestiegen, sagte Cuomo, verglichen mit 110.000, die zuvor prognostiziert worden waren. Derzeit stünden jedoch nur 53.000 Betten zur Verfügung.

Die Infektionsrate verdoppele sich jetzt alle drei Tage in New York, und der Höhepunkt des Ausbruchs könnte in 14 bis 21 Tagen erreicht werden,was das Gesundheitssystem der Stadt unter enormen Druck setze, sagte Cuomo.

Deutlicher Anstieg der Fälle in Louisiana

In Louisiana sagte Gouverneur John Bel Edwards am Wochenende, dass sein Bundesstaat den schnellsten Anstieg von COVID-19-Fällen weltweit erlebt habe.

Der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom, der davor warnte, dass auch im bevölkerungsreichsten Bundesstaat der Nation bald die Krankenhausbetten knapp werden, sagte, dass er die Parkplätze an den Stränden und Parks des Bundesstaates habe schließen lassen, nachdem er gesehen habe, wie Surfer und andere Personen die Verhaltensregeln während der Epidemie missachtet hätten.

Der Gouverneur von Illinois, J.B. Pritzker, sagte, er habe Trump gesagt, dass sein Bundesstaat „in naher Zukunft Millionen von N95-Masken und Hunderte von Beatmungsgeräten“ benötige, und dass der Präsident Hilfe versprochen habe.

Die bestätigten Fälle in Connecticut stiegen über Nacht um etwa 50 Prozent auf 618, und es wird erwartet, dass die Infektionsrate in den nächsten zwei oder drei Wochen weiter eskalieren wird, sagte Gouverneur Ned Lamont. „Wir dachten, dass es schlimmer werden könnte, bevor es besser wird, und ich fürchte, wir werden Recht behalten“, sagte Lamont in einer Pressekonferenz.

Es gibt inzwischen Anzeichen dafür, dass bei einigen US-Bürgern die Nerven nach tagelanger Arbeit von zu Hause blank liegen – die Betreuung der eigenen Kinder, deren Schulen derzeit geschlossen sind, sowie die starke Einschränkung der alltäglichen Aktivitäten erschöpft viele.

Auf einem Spielplatz in Brooklyn machten die Architektin Carolyn Straub (48) und ihre Familie eine Pause von ihrem neuen Leben, indem sie von zu Hause aus arbeiten und die Kinder ebenfalls von zu Hause aus am Unterricht teilnehmen. „Es ist wirklich hart“, sagte Straub. „Das Internet ist nicht immer zuverlässig, manchmal geht es einfach nicht mehr, und es ist unmöglich, dass wir vier getrennte Audiozonen im Haus haben.“