Die Verschiebung der Olympischen Spiele 2020 in Tokio wirf einen Schatten auf die chinesische Sportszene, weil die Veranstalter von Events und anderen Aktivitäten rund um die Spiele Geschäftsausfälle zu beklagen haben werden. Dies ist zumindest die Auffassung von Branchenkenner Adam Zhang, dem Gründer der Beijinger Beratungsfirma für Sportmarketing Key-Solutions.

Ein Logo der Olympischen Spiele in Tokio.

Die gemeinsame Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees und der japanischen Organisatoren, die Olympischen Sommerspiele, die eigentlich am 24. Juli hätten eröffnet werden sollen, zu verlegen, stelle chinesische Unternehmen aus dem Bereich Sportmarketing vor große Herausforderungen. Sponsorship-Programme, PR-Aktionen und Servicedienstleistungen rund um das Sportereignis würden abgebrochen oder kurzfristig abgesagt.

„Die Verschiebung der Spiele hat die Sponsoren, darunter auch einige chinesische Unternehmen, kalt erwischt, denn ihre Marketingkampagnen im Vorfeld der Spiele werden nun sicher abgebrochen", sagte Zhang am Dienstag gegenüber China Daily kurz vor der Veröffentlichung der gemeinsamen Entscheidung.

„Die Verlegung wird etliche Marketingaktivitäten betreffen, auf die Sponsoren seit langem hingearbeitet haben, große Verluste in diesem Bereich werden nicht zu vermeiden sein. Die Ungewissheit über die Austragung der Spiele ist trotz der beschlossenen Verlegung nicht aufgehoben, was es für die Veranstalter von Marketingkampagnen schwierig macht, künftige Investitionen anzusteuern", so der Branchenkenner.

In einer am Dienstagabend veröffentlichten gemeinsamen Erklärung bestätigten das IOC und die Veranstalter der Olympischen Sommerspiele Tokio 2020, dass die Spiele auf eine „Zeit nach 2020 aber nicht später als Sommer 2021 verschoben werden", um die Gesundheit der Sportler und Sportlerinnen sowie aller an den Spielen Beteiligten zu schützen.

Eine Veranstaltung der Spiele im Jahr 2021 wird nicht ohne Rückwirkungen auf die alle vier Jahre stattfindenen Chinesischen Nationalspiele und die Weltuniversitätsspiele bleiben, die im selben Jahr stattfinden sollen, und zwar in Xi'an, der Hauptstadt der Provinz Shaanxi, beziehungsweise in Chengdu in der Provinz Sichuan.

In zeitlicher Überschneidung mit dem wichtigsten Sportereignis der Welt, sehen sich diese Veranstaltungen in hartem Wettbewerb um die Aufmerksamkeit der Fans, Medien und Sponsoren. Die Umstellung von Veranstaltungsterminen und veränderte Absprachen hinsichtlich der TV-Rechte werden unumgänglich sein.

Zhang macht sich jedoch dafür stark, dass die chinesischen Eventmanager ihre Vorbereitungen in einer positiven Grundhaltung vorantreiben: „Die Verlegung der Olympischen Spiele in das Jahr 2021 macht jenes Jahr zu einem Topjahr des Sports. Je näher die Spiele im nächsten Jahr rücken werden, desto mehr wird das öffentliche Interesse an Sport und Sportstars wachsen, was insgesamt eine steigende Aufmerksamkeit für Aktivitäten bedeutet, die sich ganz allgemein um den Sport drehen. Zur Förderung ihrer eigenen Events sollten sich die Organisatoren gut überlegen, wie sie vom gesteigerten Interesse am Sport profitieren können."

Die Marketingstrategien einiger chinesischer Unternehmen hinsichtlich der Olympischen Spiele in Tokio müssten durch die Verschiebung auf den neuesten Stand gebracht werden. Betroffen seien Alibaba, der führende Partner des Internationalen Olympischen Komitees, der offizielle Sportausstatter Anta, sowie die Caissa Tourism Group, die in China zuständig für den Verkauf von Eintrittskarten für die Sommerspiele Tokio ist.