Mit dem Anstieg von Fällen nach China eingeschleppter Ansteckungen mit COVID-19 mehren sich die Rufe nach Einstellung aller internationalen Flüge. Gesundheitsexperten und Kenner der Luftfahrtbranche halten eine komplette Einstellung des internationalen Flugverkehrs jedoch für „unwahrscheinlich und unnötig".

Ein medizinischer Mitarbeiter sammelt Rachenabstrichproben zum Nukleinsäuretest für eine eingereiste ausländische Touristin in Shanghai. (23. März)

Beijing und Shanghai, die zwei wichtigsten internationalen Drehscheiben des Landes, meldeten am Dienstag je einen Fall von Übertragung des Virus durch aus dem Ausland angereiste Personen. Diese Nachricht nährte Bedenken gegen Schlupflöcher in der Vorbeugung gegen das Virus und ließ einige Netizens die Forderung nach Einstellung der internationalen Flugverbindungen erheben.

Obwohl die Verwaltung der chinesischen Zivilluftfahrt (CAAC) zuvor erklärt hatte, dass internationale Flüge nicht zur Gänze eingestellt würden, haben die Fälle von Neuerkrankungen am Dienstag das Thema erneut auf die Tagesordnung gebracht. Zahlreiche Länder, darunter Singapur, haben vor dem Hintergrund der COVID-19-Pandemie alle Flüge eingestellt.

Sämtliche amerikanische Fluggesellschaften haben seit dem Ausbruch der Seuche ihre Verbindungen nach China gekappt. Die südkoreanische Korean Air und die Emirates aus Dubai zogen nach. Einheimische Fluggesellschaften wie Air China und China Eastern sowie einige ausländische Unternehmen fliegen China nach wie vor an, allerdings mit einem ausgedünnten Flugplan.

Wang Boxue, Forscher am chinesischen Aviation Industry Development Research Center, sagte gegenüber der Global Times, dass er eine vollständige Einstellung der Auslandsflüge in China für unwahrscheinlich erachte.

„Wir halten die Verbindung mit der Welt nach wie vor aufrecht. Dies spiegelt den Geist einer Schicksalsgemeinschaft der Menschheit mit gemeinsamer Zukunft wider", so Wang. Zugleich hob er hervor, dass die schwindende Nachfrage die Fluggesellschaften zu einer Streichung von Flügen bewegt habe.

Die gegenwärtige Nachfrage werde von Rückkehrern aus Ländern genährt, die hart von der Pandemie betroffen seien. Sei diese Welle einmal vorüber, werde es nach Wang zu weiteren Streichungen von Flügen kommen.

Experten sagen, dass chinesische Auslandsstudenten und im Ausland lebende Chinesen gegenwärtig das Gros der Fluggäste stellten, was ein weiterer Grund sei, der gegen eine Einstellung der internationalen Flüge spräche.

Yang Zhanqiu, Virologe an der Universität Wuhan, sagte am Dienstag gegenüber der Global Times, dass die eingeschleppten Ansteckungen durch Schlupflöcher bei früheren Einreisekontrollen entstanden seien.

Chinas Städte hätten keinen einheitlichen Standard bei ihren Quarantäneregeln und Beijing habe erst neulich die Anforderungen verschärft. Die Gemeinden hätten große Probleme bei der Durchsetzung von Quarantäne in der eigenen Wohnung. Nach Yangs Auffassung könnten derartige Schlupflöcher sporadische Fälle der Neuansteckung verursacht haben.

Verschiedene Städte hätten jedoch ihre Maßnahmen bereits verschärft, so dass eine vollständige Einstellung des Flugverkehrs mit dem Ausland nicht erforderlich sei. Dank der ergriffenen Maßnahmen sei es unwahrscheinlich, dass die sporadischen Ansteckungsfälle sich zu echten Ausbrüchen entwickeln würden, so Yang.

Einige ausländische Fluggesellschaften haben ihre Flüge nach China bereits kurz nach dem Ausbruch der Epidemie reduziert oder ganz eingestellt. Andere sind nachgezogen, seitdem die CAAC ab Sonntagmitternacht Flüge nach Beijing auf zwölf andere Städte umdirigiert, wo nun die Einreiseformalitäten abgewickelt und Quarantänemaßnahmen durchgeführt werden.

Neun einheimische Fluggesellschaften, darunter Air China, sind von der Umleitung betroffen, die es dem Beijinger Hauptstadtflughafen ermöglicht, täglich nur noch zehn internationale Flüge abzuwickeln.

Nach offiziellen Angaben der Zollverwaltung reisen seit Ausrufung der Pandemie durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) täglich 120.000 Personen nach China ein, was einem Rückgang um achtzig Prozent entspricht. 20.000 von ihnen reisen mit dem Flugzeug an.

CAAC hat sich bis Redaktionsschluss noch nicht zu der Anfrage der Global Times geäußert, ob vor dem Hintergrund in Beijing gehäuft auftretender COVID-19-Fälle durch Einschleppung mit einer Einstellung des internationalen Flugverkehrs zu rechnen sei. Air China hat deutlich gemacht, dass das Unternehmen bislang keine Pläne habe, diese Flüge einzustellen.