Vor dem Hintergrund einer sich verschärfenden COVID-19-Epidemie in den Vereinigten Staaten stimmte die Bundesregierung der Ausrufung des Notstandes für die Bundesstaaten New York, Kalifornien und Washington zu. Die Lage in der Hauptstadt Washington DC hat sich verschlechtert. Dort hat die Polizei Straßen gesperrt, um Menschenansammlungen zu vermeiden.

Kunden warten in der Schlange, um in den COSTCO-Supermarkt in Foster City in der San Francisco Bay Area zu treten und einzukaufen.

Chinesische Experten warnten am Montag davor, dass die bestätigten Krankheitsfälle in den USA im Monat April aller Wahrscheinlichkeit nach die Zahlen in China übersteigen würden und das Land damit zum neuen Epizentrum der weltweiten Pandemie werden würde.

Die hauptsächlichen Wirtschafts- und Technologiezentren der Vereinigten Staaten seien allesamt stark von der Epidemie betroffen und die Arbeitslosenrate könnte diejenige während der Großen Depression in den 1930er Jahren übertreffen. Eine verkehrte Politik zur Belebung der Wirtschaft könnte zu Hyperinflation führen, was soziale Unruhen auslösen würde.

US-Vizepräsident Mike Pence sagte am Samstag, dass mehr als 195.000 Personen in den USA auf die Krankheit getestet worden seien. Am selben Tag meldete das Coronavirus Resource Center der Johns Hopkins Universität 35.224 Personen, die sich mit dem Virus infiziert hätten. Mindestens 18 Prozent von ihnen zeigten Symptome der Krankheit.

Die am Freitag vom US Center for Disease Control and Prevention (CDC) übermittelten Zahlen lagen mit 15.219 betroffenen Personen bedeutend niedriger.

„Eine derart hohe Prozentzahl ist entsetzlich und lässt vermuten, dass es mindestens 100.000 Amerikaner gibt, die sich bereits angesteckt haben, aber noch nicht getestet wurden", meinte Mei Xinyu, Forscher an der Chinesischen Akademie für Internationalen Handel und wirtschaftliche Zusammenarbeit am Montag gegenüber der Global Times. Mei sagt voraus, dass in der ersten Aprilhälfte die bestätigten Krankheitsfälle in den USA die Gesamtzahl der Fälle in China übersteigen würden.

Yuan Hongyong, Vizedekan des Instituts zur Erforschung öffentlicher Sicherheit der Tsinghua Universität, geht davon aus, dass die gegenwärtige Zahl an Infektionen in den USA bereits 100.000 oder sogar 500.000 überschritten habe, wenn man in Rechnung stelle, dass die genannten Zahlen nicht exakt erhoben würden und nicht auf dem neuesten Stand wären.

„Die Zahlen in den Vereinigten Staaten könnten in die Millionen gehen", so Yuan.

Die bestätigten Krankheitsfälle erstreckten sich über das gesamte Staatsgebiet. Man gehe davon aus, dass sich ihre Zahl innerhalb der nächsten zwei Monate auf 500.000 oder 600.000 erhöhen werde, sagte Song Qinghui, ein Volkswirt aus Shenzhen, der die Entwicklung der Pandemie genau verfolgt, am Montag gegenüber der Global Times.

Das Weiße Haus sagte, dass die Ausrufung des Katastrophenfalls den Regierungen der Bundesstaaten und Gemeinden den Zugriff auf Gelder des Bundes ermögliche. Darin eingeschlossen seien auch Zahlungen für Krisenberatung und die finanzielle Unterstützung von Einzelpersonen.

Bislang seien sowohl die von der Bundesregierung wie auch von den Einzelstaaten ergriffenen Maßnahmen an der Rettung der Wirtschaft orientiert, während wenig hinsichtlich Quarantänemaßnahmen und Behandlung von Patienten getan werde, so dass es sehr schwierig sei, vorauszusehen, inwieweit diese Maßnahmen geeignet seien, den Ausbruch der Krankheit unter Kontrolle zu bringen, sagt Lü Xiang, Experte für Amerikastudien an der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften in Beijing.

Die Pandemie offenbare die Uneinigkeit in den Vereinigten Staaten, den Machtkampf zwischen den Parteien, die Divergenzen zwischen der Bundesebene und der Ebene der Einzelstaaten sowie die Spaltung zwichen der Bundesregierung und der Pharmaindustrie, meint Diao Daming, Amerikaexperte an der Renmin Universität in Beijing.

Die sich verschlimmernde Pandemie wird der Wirtschaft großen Schaden zufügen. Führende Finanzinstitutionen sagen eine Schrumpfung des Bruttoinlandsproduktes (BIP) und steigende Arbeitslosenzahlen voraus. Morgan Stanley meint, dass das BIP von April bis Juni um dreißig Prozent schrumpfen werde, während es zu einem Anstieg der Arbeitslosenquote auf 12,8 Prozent käme. Goldman Sachs geht von einer Schrumpfung der Weltwirtschaft in diesem Jahr um ein Prozent aus, was gravierender als in der Finanzkrise des Jahres 2009 wäre.

Bloomberg spricht angesichts dieser Prognosen von wachsender Furcht vor einer wirtschaftlichen Depression, vor allem, weil sich die Weltwirtschaft noch nicht von einem schleppenden Wachstumsprozess erholt habe. Einige Beobachter sehen voraus, dass bei einem beträchtlichen Schaden für die Hauptwirtschaftszweige der USA die Gefahr bestünde, dass die Arbeitslosigkeit auf bis zu 30 Prozent anstiege, was über der Arbeitslosenrate während der Großen Depression der 1930er Jahre läge.

Lü weist darauf hin, dass die US-Regierung die falschen Maßnahmen zur Anregung der schwächelnden Wirtschaft eingeleitet habe. Da die Nachfrage schwach sei, könnte es zu einer Hyperinflation kommen, die den Dollar schwächen würde.