Nach Auffassung von Experten wäre es aus medizinischer Sicht normal, Rückschläge und Neuerkrankungen in Wuhan und in der Provinz Hubei zu erleben, obwohl seit fünf aufeinanderfolgenden Tagen keine Neuerkrankungen mehr in der Region registriert würden. Anstatt blindlings auf das Verschwinden von Neuerkrankungen zu setzen, was die Verantwortlichen vor Ort unter großen Druck setze, sollten neue Krankeitsfälle hingenommen werden.

Das medizinische Personal überprüft am 10. Februar 2020 den Zustand eines Patienten in einem provisorischen Krankenhaus in Wuhan in der zentralchinesischen Provinz Hubei.

Auf WeChat berichtete die Stadtregierung von Wuhan am Montag, dass entlassene Patienten, die erneut positiv auf Coronavirus getestet würden, sowie asymptomatische Fälle nicht als neue, bestätigte Fälle registriert würden. Die Stadtregierung wies darauf hin, dass keine Fälle von Übertragung des Virus durch rückfällige Patienten bekannt seien. Diese offizielle Stellungnahme der Regierung erfolgte vor dem Hintergrund von Befürchtungen, wonach manche Gebiete falsche Angaben gemacht hätten, um das Prädikat „keine Neuerkrankungen zu erhalten."

Die Wuhaner Stadtregierung wies am Sonntag derartige Gerüchte zurück und unterstrich, dass die Daten objektiv und realistisch seien.

„Aus medizinischer Sicht ist es normal, dass einige Fälle von Neuerkrankungen auftauchen, auch wenn es zuvor einige aufeinanderfolgende Tage gegeben hatte, an denen keine neuen Fälle registriert wurden", sagte Peng Zhiyong, Leiter der Intensivstation der Wuhaner Universitätsklinik Zhongnan und hob hervor, dass die Menschen angesichts möglicher Neuerkrankungen nicht in Panik verfallen müssten. Er rief die Öffentlichkeit dazu auf, Wuhan von der „Last zu befreien, dauerhaft 'keine Neuerkrankungen' melden zu müssen."

Nach Angaben der Nationalen Gesundheitskommission sind seit Mittwoch an fünf aufeinanderfolgenden Tagen aus Hubei keine bestätigten Neuerkrankungen mehr gemeldet worden. Nach Auffassung von Peng bedeutet dies eine erhebliche Verbesserung der Lage, heiß aber noch nicht, dass die Region risikofrei wäre.

Da es sich um einen neuen Virus handele, den noch niemand vollständig begriffen habe, wäre es normal, wenn es wieder zu Fällen von Neuerkrankungen käme, sagte der Wuhaner Virologe Yang Zhanqiu am Montag gegenüber der Global Times.

Das blinde Verlangen nach „null Fällen, null Toten" sei nicht hilfreich in Hinsicht auf wissenschaftliche Vorbeugung und Kontrolle. Stattdessen gelte es „die Wahrheit in den Tatsachen zu suchen", denn die frühzeitige Entdeckung von Krankheitsfällen bilde die Grundlage für wissenschaftliche Vorbeugung und Kontrolle, hob Yang hervor.

Yang warnte die Lokalregierung davor, jemals die Wahrheit zu verschleiern, wenn es zu Fällen von Neuerkrankungen kommen sollte, denn dies wäre nicht nur ein schwerer Schlag gegen die Glaubwürdigkeit und den Ruf der Regierung, sondern gefährdete auch die gegenwärtige Lage, die das Ergebnis einer zweimonatigen Anstrengung der gesamten Nation sei.

Chinas zentrale Steuerungsgruppe für die COVID-19-Vorbeugung rief am Montag die Lokalregierungen dazu auf, die Zahl der täglichen Neuerkrankungen auf transparente Weise zu melden.

„Die Zahlen zu verbergen, ist schlimmer als der Virus selbst, denn dies würde eine hohe Welle der Unzufriedenheit in der Öffentlichkeit auslösen", schrieb ein Netzbürger auf Sina Weibo.

Yang sagte, dass gegenwärtig der Fokus darauf liege, die entlassenen Patienten zu begleiten, die möglicherweise nach wie vor coronapositiv seien. Außerdem gelte es, auf der Hut vor aus dem Ausland eingeschleppten Fällen zu sein.

Dass einige entlassene Patienten erneut positiv auf das Virus getestet worden seien, läge daran, dass das menschliche Immunsystem einige Zeit bräuchte, um sich vollständig von den Viren zu befreien, oder dass die Tests vor der vollständigen Heilung der Patienten erfolgt seien, so Yang.

Personen, die erneut positiv auf Coronavirus getestet würden und Symptome der Virusinfektion zeigten, würden in spezielle Kliniken gebracht und dort unter Beobachtung gestellt, sagte am Sonntag Tu Yuanchao, stellvertretender Leiter der Gesundheitskommission der Provinz Hubei.

Nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus unterlägen diese Personen einer vierzehntägigen Quarantäne. Personen, die positiv aber symptomfrei seien, würden für eine Beobachtungszeit von vierzehn Tagen isoliert untergebracht.

Tu wies darauf hin, dass bislang noch keine Fälle vorlägen, in denen dieser Personenkreis andere Menschen angesteckt hätte. Dennoch seien von den Gesundheitsbehörden entsprechende Nachforschungen eingeleitet worden.

Wuhan und andere Regionen Chinas sollten sich auf einen langen Kampf gegen COVID-19 einstellen, da die Wiederaufnahme der Produktion und der Ausbruch der weltweiten Pandemie eine zweite Welle der Ansteckung auslösen könnten, so Yang.