Experten haben die Behauptung zurückgewiesen, demzufolge das neuartige Coronavirus Ähnlichkeit mit dem SARS-Virus besitzen soll. In chinesischen sozialen Medien hatte dieses Gerücht Panik ausgelöst. Es gebe zwar einige genetische Gemeinsamkeiten zwischen beiden Viren, so verwenden beide den gleichen ACE2-Rezeptor, um beispielsweise in Zellen einzudringen, doch sei es nicht korrekt, den Coronavirus als eine Art SARS-Virus zu bezeichnen.

Ausgelöst wurde die Kontroverse am Sonntagabend durch eine Behauptung des Virologen Chen Huanchun, die schnell in den chinesischen Medien viral ging. Zahlreiche Wissenschaftler bemühten sich, die Behauptung zu widerlegen. Chen entschuldigte sich später für seinen Fehler und betonte, er habe nur hervorheben wollen, dass beide Viren zur selben breiten Kategorie der Beta-Coronaviren gehören.

Die SARS-Epidemie zwischen 2002 und 2003 trifft in der chinesischen Öffentlichkeit nach wie vor einen sensiblen Nerv, da es der erste Virusausbruch im 21. Jahrhundert war, der die öffentliche Gesundheitsinfrastruktur und die Reaktionsmechanismen des Landes ernsthaft infrage stellte.

Die sichtbaren Symptome von SARS sind ebenfalls schwerwiegender und weisen eine Sterblichkeitsrate von 9,6 Prozent auf, die höher liegt als beim neuartigen Coronavirus. Dessen Sterblichkeitsrate schätzt das chinesische Zentrum für die Kontrolle und Prävention von Krankheiten auf etwa 2 bis 4 Prozent.

Infolgedessen waren die Wissenschaftler beim Vergleich der beiden Coronaviren sehr vorsichtig. Zhong Nanshan, der führende Experte für Chinas Epidemie, wies Chens Behauptung zurück. „Das neuartige Coronavirus gehört zu einer parallelen Klassifikation des SARS-Virus“, sagte er. „Sie mögen zur gleichen Kategorie gehören, aber sie sind nicht von derselben Art. Sie sind sehr unterschiedlich.“

Laut dem US-amerikanischen Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention können nur sieben der entdeckten Coronaviren den Menschen infizieren. Vier sind Alpha-Coronaviren und die anderen drei sind Beta-Coronaviren wie SARS, nCoV und das Middle East Respiratory Syndrome (MERS).

Laut der Zeitschrift Lancet teilen sich das neuartige Coronavirus und SARS etwa 79 Prozent ihrer genetischen Sequenz, was bedeutet, dass sie zwar verwandte, aber dennoch sehr weit voneinander entfernte Organismen sind. Dem National Human Genome Research Institute zufolge teilen Menschen 96 Prozent ihrer Gene mit Schimpansen und 80 Prozent mit Kühen.