Die ganze Welt hat derzeit Angst vor dem Coronavirus und berichtet täglich ausführlich über die Epidemie. Leider mischen sich in diese Berichte immer wieder auch rassistische Vorurteile gegen China.

Trotz wiederholter Warnungen von Experten, dass eine weltweite Pandemie wahrscheinlich

ist, haben sich die meisten Menschen bis vor kurzem kaum Gedanken über die Bedrohung durch eine neue Infektionskrankheit gemacht. Nun, da das neuartige Coronavirus aufgetaucht ist, sieht es natürlich anders aus. Tiefsitzende Ängste im kollektiven Gedächtnis, die durch frühere Pandemien entstanden sind, treten in den Vordergrund und die Möglichkeit, dass die Krankheit wie ein unermüdlicher apokalyptischer Reiter die Menschen, denen er begegnet, unerbittlich auslöscht, verursacht große Panik.

Vielleicht ist das auch nicht unangemessen, denn die natürliche Reaktion des Menschen auf eine lebensbedrohliche Situation besteht darin, entweder zu fliehen oder zu kämpfen. Für viele Menschen scheint jedoch keine dieser Reaktionen gegen eine solche unaufhaltsame und unsichtbare Bedrohung möglich zu sein.

In China, wo nun der jüngste Ausbruch aufgetreten ist, bedeutet die Quarantäne eines Großteils der Bevölkerung - in einigen Gegenden verpflichtend, aber im Allgemeinen selbst auferlegt -, dass die Ängste der Menschen größtenteils in Innenräumen eingedämmt wurden oder wild im Internet geäußert werden können. Dies hat bis zu einem gewissen Grad dazu beigetragen, zu verhindern, dass Panik weitere Panik nährt. Denn Panik selbst ist ebenfalls sehr ansteckend.

Im Westen jedoch wird die Angst der Menschen durch sensationsgierige Medienberichte beinahe in eine Hysterie getrieben. Diesen Berichten zufolge wird die Zahl der Übertragungen von Mensch zu Mensch in anderen Ländern auf dasselbe Niveau wie in China ansteigen. Zudem werden schreckliche Vorhersagen über die mögliche Zahl der Todesopfer geäußert.

Angesichts der Form und des Zwecks dieser Medien ist es nicht überraschend, dass diese Berichte in der Regel auch rassistisch sind und Vorurteile gegen China befördern.

Obwohl eine Infektionskrankheit in jeder Ecke der Welt auftreten kann, wie die aus den USA stammende H1N1-Pandemie, der Ebola-Ausbruch in Westafrika und die Zika-Krise in Brasilien in den letzten Jahren gezeigt haben, ist die Berichterstattung über den Ausbruch des neuartigen Coronavirus von einem Großteil der westlichen Massenmedien dadurch ausgezeichnet, dass sie die Stereotypen der „Gelben Gefahr" bedient. Dieser Theorie zufolge wird der zivilisierte Westen von der unzivilisierten chinesischen Horde überrollt.

Während die Suche nach einem Sündenbock auch vorige Ausbrüche von Infektionskrankheiten begleitet hat, ist die Sinophobie, die durch die Verbreitung dieser „Gelben Gefahr“-Berichterstattung über das neuartige Coronavirus offenkundig wird, symptomatisch für die generellen Befürchtungen des Westens in Bezug auf den Aufstieg Chinas. Von einigen wird auch dieser Aufstieg wie eine Art Infektionskrankheit gesehen, die die westliche Zivilisation schwächt und wie ein Tumor die westlichen Werte korrumpiert.

Die Ängste der Menschen können leicht in diese Richtung gelenkt werden, da die Krankheitserreger, die ansteckende Krankheiten verursachen, als fremde Eindringlinge angesehen werden, die sogar die Abwehrkräfte eines gesunden Körpers überwältigen.

Die Bigotterie in solchen Berichten versucht, die Entstehung der Krankheit mit der Vorstellung zu verknüpfen, dass der chinesische Charakter eine Schwäche oder Minderwertigkeit aufweist, die den Ausbruch überhaupt erst ermöglicht hat. Dies ähnelt den medialen Darstellungen der Chinesen in früheren Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts wie zum Beispiel über Fu Manchu, der als böswilliger Bösewicht porträtiert wurde, der die Welt regieren wollte. Dies zeigt einmal mehr: Je mehr sich Dinge ändern, desto mehr bleiben sie auch gleich.

Es gibt immer solche, die schnell bemüht sind, andere zu finden, die sie für die Leiden, die sie sich selbst zugefügt haben, verantwortlich machen können. Aber um eine Beobachtung zu bemühen, die Marie Curie zugeschrieben wird, ist nichts im Leben zu befürchten, es muss nur verstanden werden – das gilt sowohl für Infektionskrankheiten als auch für Chinas Aufstieg.