Die Notaufnahme des Chaoyang Krankenhauses in Beijing ist am Mittwoch, nach einer vorübergehenden Schließung am Vortag, wieder zum Normalbetrieb zurückgekehrt. Berichten zufolge hatten Ärzte zwei Patienten eine Pestinfektion bestätigt.

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Sowohl die Routineabteilungen als auch die Notaufnahme laufen normal, sagte ein Mitarbeiter des Beijing Chaoyang Hospitals am Mittwochmorgen der Tageszeitung Global Times.

Am Dienstag hatten Ärzte bestätigt, dass sich Patienten aus der Verwaltungseinheit Xilin Gol in der nordchinesischen Autonomen Region der Inneren Mongolei, mit der Lungenpest infiziert hatten. Präventions- und Kontrollmaßnahmen seien ergriffen worden, bestätigten die Gesundheitskommission Xilin Gol und der Beijinger Stadtbezirk Chaoyang, nachdem Gerüchte über die beiden Patienten bei einigen Bewohnern der Hauptstadt Panik ausgelöst hatten.

Die Notaufnahme im Chaoyang Hospital wechselte ihre Stühle aus und ein Arzt im Praktikum im Krankenhaus sagte, sie seien gebeten worden, nicht in die Notaufnahme zu gehen und ihren Aufenthalt im Krankenhaus zu verkürzen, berichtete Caixin Media am Dienstagabend.

Die Pest ist gekennzeichnet durch schnellen Ausbruch, kurze Dauer, starke Ansteckungsfähigkeit, hohe Sterblichkeit und schnelle Ausbreitung und erinnert die Menschen an das Schwere Akute Respiratorische Syndrom (Severe Acute Respiratory Syndrome, SARS), das eine globale Epidemie auslöste und Hunderte von Menschen in China das Leben kostete.

Zhou Zijun, Professor an der Schule für Public Health an der Peking-Universität, sagte, dass die Bewohner wegen der Krankheit nicht allzu besorgt sein sollten. Die beiden Patienten seien, Berichten zufolge, vergangene Woche in Beijing angekommen. In Anbetracht der kurzen Inkubationszeit, die in der Regel drei bis fünf Tage dauert, hätten, wenn die beiden eine Epidemie verursacht hätten, bereits mehr Fälle ausbrechen müssen, sagte Zhou. Die Lungenpest wird durch Bakterien verursacht, die Zhou zufolge, weniger ansteckend sind als SARS, das durch ein Virus verursacht wurde. Die Krankheit kann mit Antibiotika behandelt werden. Ihre Seltenheit bedeute, dass viele aktuelle Antibiotika wirksam seien, sagte Zhou.

Beijing überwacht die Pest seit Jahren und verzeichnet keinen Fall von Mäusen, die Yersiniapestis, die Bakterien, welche die Pest verursachen, in sich tragen. Allerdings wurden Kleinlebewesen in wilden Nagetieren wie Murmeltieren in China gefunden. Es gibt elf infektiöse Regionen, unter anderem in der südwestchinesischen Autonomen Region Tibet und den nordwestchinesischen Provinzen Qinghai und Gansu sowie dem Uigurischen Autonomen Gebiet Xinjiang.

Die Bakterien sind in diesen Gebieten vorhanden. Einige lokale Hirten praktizieren die Tradition der Jagd auf Feldmäuse und Murmeltiere, was zu einer hohen Kontaktmöglichkeit mit Bakterienträgern führt, berichteten Medien.

In China wurden gelegentlich Fälle und Todesfälle von menschlichen Infektionen gemeldet. Im Jahr 2014 gab es, laut Statistik der Nationalen Gesundheitskommission, drei Fälle und in den Jahren 2016, 2017 und 2019 jeweils einen durch die Pest verursachten Todesfall.

Zhou riet den Bürgern, Menschenmengen zu vermeiden und nicht in infizierte Regionen zu reisen. Er schlug zudem vor, dass die zuständigen Behörden der Öffentlichkeit unverzüglich aktuelle Informationen zur Verfügung stellen, um Bedenken auszuräumen. Solche Informationen werden den Bürgern helfen, die Situation zu verstehen und die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, sagte er.

Die Lungenpest hat, wenn sie unbehandelt ist, eine Todesrate von 30 bis 100 Prozent. Die Krankheit wurde im Mittelalter als Schwarzer Tod bezeichnet und tötete in Europa Millionen Menschen. Eine weitere Epidemie, die vom 19. Jahrhundert bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts andauerte, forderte weltweit Millionen von Menschenleben.