Kekse mit einer Füllung roter Bohnen, Schokoriegel mit Chili-Geschmack und Pizza mit Fischaroma sind nur drei Beispiele für die Bemühungen internationaler Nahrungskonzerne, dem Geschmack der Chinesen entgegenzukommen.

Für den Expansionskurs internationaler Nahrungsmittel- und Getränkekonzerne, die auf der 2. China International Import Expo in Shanghai vertreten sind, ist China der entscheidende Wachstumsmarkt. Da gilt es, die Vorlieben der Konsumenten ausfindig zu machen und mit entsprechenden Werbestrategien zu antworten.

"Chinas Verbraucher sind qualitätsbewusster geworden“, sagt Joost Vlaanderen, Präsident von Mondelez International China, das Unternehmen, welches hinter der Keksmarke Oreo steckt. "Sie mögen Produkte, die auf sie zugeschnitten sind, und sie sind bereit, dafür auch einen entsprechenden Preis zu zahlen."

Die Geschmacksknospen einer Nation zufriedenzustellen, die eine lange Geschichte des Feinschmeckertums vorzuweisen hat, ist sicherlich keine leichte Aufgabe. Hier tritt die Lebensmitteltechnologie auf den Plan und sorgt für die Anpassung an Kundenwünsche. Unter Rückgriff auf Datenanalysen hat Mondelez gerade einen mini-Oreo mit einer Nussmischung auf den Markt gebracht, der "buchstäblich von Chinesen für Chinesen geschaffen wurde", so Vlaanderen.

"Sogar der chinesische Name für dieses Produkt wurde von chinesischen Käufern in unserer Online-Filiale geprägt. Das so genannte Customer-to-Business Modell verhilft uns zum Einblick in die Bedürfnisse der Verbraucher. Der Internethandel ist nicht nur ein Vertriebsweg, sondern schafft auch die Voraussetzungen für neue große Innovationen“, meint Vlaanderen.

Chinas Lebensmittel- und Getränkeindustrie weist bis 2023 eine jährliche Wachstumsrate von 13,8 Prozent auf, was im Jahr 2023 zu einem Marktvolumen von 37 Milliarden US-Dollar führen wird, hat das Marktforschungsunternehmen Statista ermittelt.

"Der Internethandel ist ein besonderer Pfeiler für unsere Verbrauchermarken und ein wesentlicher Bestandteil unserer Wachstumsstrategie“, sagt Robert Spurway, der bei Fonterra für den globalen Markt verantwortlich ist. Der Milchkonzern aus Neuseeland hat auf der Import Expo in Shanghai umfassende Verträge mit chinesischen Internetplattformen wie Alibaba und JD abgeschlossen.

Die Neuseeländer habe Käseriegel auf den Markt gebracht, die chinesische Kinder ansprechen sollen. Spurway sagt, dass dies mit dem wachsenden Markt in China und der steigenden Tendenz zu Qualitätsprodukten übereinstimme, die gesünder und nahrhafter seien.

Der amerikanische Süßigkeiten-Riese Mars hat sich mit Alibabas Tmall Innovation Center zusammengetan und einen würzigen Snickers-Schokoriegel herausgebracht, der den Bedürfnissen chinesischer Naschkatzen entspricht, die zugleich nach einer scharfen Herausforderung für ihren Gaumen suchen.

Es sei wichtig, durch Datenerhebungen Einblick in das Verhalten der Konsumenten zu erlangen und die Debatten in den Social Media zu verfolgen, um ein Gespür dafür zu entwickeln, wie wir uns auf dem größten Auslandsmarkt am besten bewegen könnten, meint Clarence Mak, Präsident von Mars Wrigley China, einem Tochterunternehmen von Mars.

"Ein Erfolgsrezept für Lebensmittel- und Getränkemarken sind die Nostalgiewelle, das Beschwören alter Traditionen und der 'Stolz auf China'-Trend, die gerade einen besonderen Schwung entfalten", sagt Daisy Li, Direktorin bei der Beratungsfirma Mintel.

In China erprobte Neuheiten finden auch andernorts ihre Liebhaber. Die leichteren, knusprigeren und besser verdaulicheren Oreos, die von der gesunden Ernährung Chinas inspiriert sind, werden auch auf anderen Märkten gerne konsumiert. Mars-Riegel mit der Geschmacksrichtung Grüner Tee und Erdbeeren fassen Fuß auch außerhalb Chinas.

Etwas radikaler ist die Herangehensweise von Yum China. Die Pizza-Hut-Restaurants des Unternehmens bieten China-Geschmack der Extraklasse. Zwei neue Pizzavarianten sind vom Gewürzfisch aus der südchinesischen Provinz Hunan und der Peking-Ente beeinflusst.

"Wir haben uns immer zum Motto bekannt 'in China verwurzelt, perfekt ins Alltagsleben integriert', sagt Joey Wat, Geschäftsführer von Yum China. "Unermüdliches Erforschen der in China beliebten Geschmacksrichtungen, intelligente Erprobung neuer Geschäftsmodelle und das Zufriedenstellen unterschiedlicher Kundenbedürfnisse werden in unserem Alltagsgeschäft umgesetzt."