Die chinesische Raumfahrtbehörde hat bekannt gegeben, neben den geplanten Mondmissionen auch den Mars ansteuern zu wollen. Die Vorbereitungen dazu laufen bereits, doch wird es wohl noch bis zum Jahr 2050 dauern, bis Menschen den Fuß auf den roten Planeten setzen können.

Chinas bemannte Weltraummissionen kommen ihrem Ziel, chinesische Astronauten auf den Mond zu bringen, immer näher. Dabei fassen sie schon das nächste Ziel ins Auge: den Mars.

Wissenschaftler haben bereits Vorbereitungen für die bemannten Mondmissionen des Landes getroffen, einschließlich der Einrichtung eines bemannten wissenschaftlichen Außenpostens, wie der führende Raumfahrtunternehmer Chinas, China Aerospace Science and Technology Corp, mitteilte.

Das ultimative Ziel der chinesischen Mondexpeditionen sei es, die wissenschaftlichen und technologischen Grundlagen für bemannte Missionen zum Mars zu legen. „Die nächsten Schritte in Chinas bemannten Weltraumprogrammen werden die Erforschung des Mondes sein“, zitierte das staatliche Weltraumkonglomerat Experten. „Wir werden Basen auf dem Mond errichten, um wissenschaftliche Operationen durchzuführen, den bewohnbaren Raum für die Menschheit zu erweitern und Erfahrung und Fachwissen für Expeditionen im Weltraum außerhalb des Mondes zu sammeln. Langfristiges Ziel ist es, Menschen zum Mars zu schicken.“

Es ist das erste Mal, dass Chinas Raumfahrtindustrie einen Plan für bemannte Missionen auf dem roten Planeten öffentlich bekannt gibt. Pang Zhihao, ein Weltraumforscher in Beijing, sagte, es sei sehr bedeutsam für die Menschheit, den Mars zu erreichen, und fügte hinzu, dass einige chinesische Wissenschaftler eine bemannte Marsmission vor dem Jahr 2050 vorgeschlagen hätten.

„Wenn wir Astronauten dorthin schicken, können wir besser nach Spuren des Lebens auf dem Mars suchen. Dies ist wichtig, da der Planet in unserem Sonnensystem der Erde am ähnlichsten ist. Wenn wir also nach der Möglichkeit suchen, dort Leben zu finden, können wir den Ursprung und die Entwicklung des Lebens auf unserem Mutterplaneten besser verstehen.“ Es gebe auch Theorien, wonach der Mars vor Milliarden von Jahren der Erde sehr ähnlich gewesen sei. Bemannte Missionen würden erweiterte, spezifische Vermessungen ermöglichen, mit deren Hilfe sich vorhersagen lässt, wie sich die Erde wahrscheinlich entwickeln wird“, sagte der Forscher.

Wenn unbemannte Missionen auf dem Mars irgendeine Form von Wasser finden, könnten Astronauten dorthin geschickt werden, um Außenposten zu errichten. So könnte man die Machbarkeit einer Kolonisierung des Mars im Falle von katastrophalen Ereignissen auf der Erde wie dem Aufprall von Asteroiden untersuchen, sagte Pang.

Doch bevor Wissenschaftler und Ingenieure eine bemannte Mission zum Mars entsenden, müssen noch viele Schwierigkeiten überwunden werden.

„Erstens ist der Mars sehr weit von der Erde entfernt – die nächste Entfernung beträgt 55 Millionen Kilometer, was bedeutet, dass eine Reise hin und zurück mehr als 500 Tage dauern wird“, sagte der Forscher. „Zweitens erfordert das Einsetzen einer bemannten Rakete in die Erde-Mars-Transferbahn, eine Fluchtgeschwindigkeit von 11,2 km/s.“

Weitere Faktoren, die berücksichtigt werden sollten, sind Kommunikationsstörungen zwischen einem Mars-Raumschiff und der Erde, Energiequellen zur Aufrechterhaltung des Betriebs von Geräten auf dem Mars und Gesundheitsrisiken für Astronauten, die durch einen längeren Aufenthalt auf dem Planeten entstehen.

„Die Verringerung der Knochendichte, Weltraumstrahlung und die psychische Gesundheit wird für Astronauten und ihre Missionen eine Bedrohung darstellen. Wissenschaftler müssen ein zuverlässiges bioregeneratives Lebenserhaltungssystem entwickeln“, sagte Pang. „Wenn wir ein bahnbrechendes Antriebssystem wie eine atomgetriebene Rakete entwickeln, verkürzt sich natürlich die Zeit für eine Marsreise erheblich und die Komplexität einer solchen Mission würde erheblich reduziert.“

Xing Qiang, ein unabhängiger Forscher und Gründer von Micro-Rocket Union, einer gemeinnützigen Weltraumforschungsorganisation in Beijing, sagte, die vorhandenen Technologien der Menschheit seien nicht gut genug für eine bemannte Mission zum Mars und würden nur für Expeditionen mit einer menschlichen Besatzung ausreichen, welche den Planeten umkreisen könnte.

„Der wichtigste Teil einer bemannten Marsreise wäre eine mächtigere Rakete, die mit einer Stufe ausgestattet ist, die bis zu sechs Orbitalmanöver ausführen kann. Die Rakete würde viele Dinge transportieren – alles Notwendige, was Astronauten auf dem Mars und während des Rückfluges benötigen“, sagte er. „Selbst Langer-Marsch-9 wäre für eine solche Mission nicht stark genug.“ Langer-Marsch-9 befindet sich in der Entwicklung und wird dann die voraussichtlich leistungsfähigste Rakete sein.