Der Berliner Zoo hat Berichte zurückgewiesen, nach denen die von China ausgeliehenen Pandas die Namen von Hongkong oder von Anführern der Hongkonger Demokratiebewegung erhalten sollen. In einer Umfrage derBild-Zeitung hatten sich Leser für diese Namen ausgesprochen.

Meng Meng mit einem seiner Babys

Der Berliner Zoo hat Berichte zurückgewiesen, denen zufolge die von China geliehenen Pandazwillinge die Namen „Hong“ und „Kong“ erhalten sollen. Erzürnte chinesische Internetnutzer hatten ihr Land dazu aufgefordert, die Kooperation mit Deutschland zu beenden.

Der BerlinerTagesspiegelhatte seine Leser unlängst darum gebeten, Namensvorschläge für die am 31. August geborenen Pandazwillinge einzureichen. Die Namen „Hong“ und „Kong“ führten die Umfragen an. Andere sprachen sich für „Joshua Wong Chi-fung“ und „Agnes Chow Ting“ aus, zwei Sprecher der Protestbewegung.

Auch dieBild-Zeitung sprach sich für die Wahl dieser Namen aus. Die Umfrage verärgert seit vielen Wochen Nutzer chinesischer Social-Media-Plattformen. Auf Sina Weibo schrieben viele, dass sie solche Namen nicht akzeptieren, und forderten die Rückgabe der Pandas an China. „Die Pandas gehören zu China, bitte politisieren sie diese Tiere nicht“, kommentierte ein Internetnutzer. Andere kritisierten deutsche Medien und warfen ihnen Irreführung in der Hongkong-Berichterstattung vor.Der Berliner Zoo wies die Verantwortung für die Namensvorschläge zurück. „Wir wollen uns von diesen Berichten über die Nennung der Pandazwillinge grundsätzlich distanzieren“, hieß es in einer E-Mail, die der Zoo Berlin am Montag an dieGlobal Timessandte.

Der Zoo Berlin wählt gemeinsam mit chinesischen Partnern von der Panda-Forschungs- und Aufzuchtstation in Chengdu geeignete Namen für die Babypandas aus. Zwar hätten sie sich noch nicht über einen speziellen Namensvorschlag ausgetauscht, doch jede Entscheidung werde nach enger Absprache mit den chinesischen Kollegen getroffen.„Wir sind sehr stolz darauf, Meng Meng und Jiao Qing, die Eltern der Babypandas, als besondere Gesandte Chinas zu haben, und wir freuen uns sehr über die Geburt der kleinen Pandas“, teilte der Zoo mit. Die Babypandas seien wohlauf.Die Panda-Aufzuchtstation teilte der Global Times am Montag mit, dass die Basis letztendlich für die Benennung der im Ausland geborenen Pandas verantwortlich sei, ohne jedoch weitere Details preiszugeben.

Diao Kunpeng, ein Pandaexperte der in Beijing ansässigen NGO Shan Shui Conservation Center, sagte, die Benennung von im Ausland geborenen Pandas beruhe normalerweise auf einem Konsens zwischen dem ausländischen Zoo und der Pandabasis in China, doch habe der chinesische Partner in Chengdu das letzte Wort.„Die Namen von Pandas zu politisieren ist höchst unangemessen, und ich glaube, Chengdu wird dem nicht zustimmen“, sagte Diao. Er kritisierte auch Berichte in deutschen Medien zur Lage in Hongkong. Diese machten unverantwortliche Äußerungen zur Situation in der Stadt und würden sich in die inneren Angelegenheiten Chinas einmischen. „Ihre Pläne werden niemals Erfolg haben“, stellte er klar.Riesenpandas werden von Menschen auf der ganzen Welt verehrt und oft als Botschafter des guten Willens eingesetzt, um die Freundschaft zwischen China und anderen Ländern zu fördern. Die Pandabasis in Chengdu hat Zuchtprogramme für wissenschaftliche Forschung mit sieben Ländern durchgeführt, darunter Japan, den Vereinigten Staaten, Deutschland und Dänemark.„China hat Erfahrung in der Aufzucht von Pandas und westliche Länder wie die USA verfügen über fortschrittliche Technologien. So könnte gemeinsam genetische Verhaltensforschung an Pandas betrieben werden“, sagte Diao.Der Namensvorschlag der deutschen Medien wurde vor dem Hintergrund des Deutschlandbesuchs des Hongkonger Aktivisten Joshua Wong Chi-fung gemacht, der auch an einer Veranstaltung derBild-Zeitung teilnehmen wird.

Wong wurde am Sonntag auf dem internationalen Flughafen von Hongkong festgenommen, weil er gegen die in seiner Kaution festgelegten Reisebestimmungen verstoßen hatte. Er wurde am Montagmorgen wieder freigelassen.