China werde seinen Weg der Öffnung im Finanzsektor trotz der aktuellen Handelsstreitigkeiten weitergehen, versicherte der stellvertretende Gouverneur der Zentralbank. Auch solle der Renminbi international mehr und mehr mit dem US-Dollar konkurrieren.

Eine Passantin geht am Flughafen von Helsinki in Finnland an einer Werbeanzeige von UnionPay International vorbei, einer Tochterfirma von China UnionPay.

China werde sich trotz der anhaltenden Handelsspannungen weiterhin nachdrücklich für eine weitere Öffnung der Wirtschaft und eine umfassende Vertiefung der Finanzreformen einsetzen, einschließlich der Liberalisierung des Renminbi-Wechselkurses. Die Öffnungspolitik werde nicht erschüttert, obwohl die US-Regierung China als „Währungsmanipulator" bezeichnet, erklärte Pan Gongsheng, stellvertretender Gouverneur der Chinesischen Zentralbank in einer Erklärung.

„Wir werden die Flexibilität des Renminbi-Wechselkurses im Einklang mit den marktorientierten Reformen weiter verbessern", sagte Pan, der auch Direktor der Staatlichen Verwaltung für Devisen (SAFE) ist.

„Der Devisenmarkt wird allmählich zu den Fundamentaldaten zurückkehren, nachdem er die kurzfristigen Schocks überstanden hat", fügte er hinzu.

In einem separaten Artikel, der am Montag auf dem offiziellen WeChat-Benutzerkonto von SAFE veröffentlicht wurde, bestätigte Pan, dass das Land den Anleihemarkt durch die Aufstockung der Finanzinstrumente und die Verbesserung des Handelsmechanismus weiter öffnen werde, um die Bedürfnisse globaler Investoren zu befriedigen. Unter anderem würden börsengehandelte Fonds (engl. Exchange Traded Fund oder ETF) eingeführt und die Beschränkungen für das Rückkaufgeschäft aufgehoben, kündigte Pan in dem Artikel an.

Die chinesisch-amerikanischen Handelsstreitigkeiten seien ein neuer Faktor, den die Währungsbehörde während der finanziellen Öffnung berücksichtigen sollte, mahnte Zhou Xiaochuan, Vorsitzender des China Institute of Finance und ehemaliger Gouverneur der Zentralbank. Auf dem China Finance 40 (CF40)-Forum am Wochenende in Yichun in der nordostchinesischen Provinz Heilongjiang sagte Zhou, China müsse der Ausweitung der weltweiten Nutzung des Yuan große Bedeutung beimessen, da dies eine Schlüsselmaßnahme sei, um Störungen durch die US-Dollar-zentrierte internationale Reservewährung abzuwehren. Chinas finanzielle Öffnung trete in ein neues Stadium ein, während auch auf den Weltmärkten deutliche Verzerrungen auftreten, wie etwa bei der globalen Ressourcenverteilung durch die „währungsbasierten Wirtschaftssanktionen" gegen Russland, den Iran und Venezuela, fuhr Zhou fort, der auch warnte, dass China sich auf langfristige Handelsstreitigkeiten einstellen sollte.

Chinas weitere Öffnung der Finanzmärkte könnte von der abwartenden Stimmung der globalen Investoren angesichts der Handelsstreitigkeiten zwischen China und den USA beeinflusst werden, schätzten auch einige Experten. Das US-Finanzministerium bezeichnete China am 5. August als „Währungsmanipulator", nachdem Washington damit gedroht hatte, ab dem 1. September einen zusätzlichen Zoll von 10 Prozent auf chinesische Waren im Wert von 300 Milliarden US-Dollar zu erheben. Analysten sagten, China habe seine Währung nicht manipuliert. Ein Bericht, den der Internationale Währungsfonds am Freitag nach seiner jährlichen Konsultation zu Artikel IV mit China veröffentlicht hatte und in dem festgestellt wurde, dass das Yuan-Niveau den wirtschaftlichen Grundlagen des Landes entspreche, wurde als Beleg für Chinas Einwände gegen diesen Vorwurf angesehen.

Chen Yuan, Vorsitzender des CF40-Exekutivrates und ehemaliger stellvertretender Vorsitzender des Nationalen Komitees der Politischen Konsultativkonferenz des Chinesischen Volkes, schlug vor, die auf Yuan lautenden Aufträge im globalen Warenhandel zu erhöhen, um so die Internationalisierung der Renminbi zu beschleunigen und die Abhängigkeit vom US-Dollar zu verringern. China sollte an der Öffnungspolitik festhalten, da der Finanzmarkt nach wie vor ein großes Potenzial habe, um globale Investoren anzuziehen, und über eine hohe Widerstandsfähigkeit im Umgang mit globalen wirtschaftlichen Unsicherheiten verfüge, sagte Shang Fulin, ehemaliger Vorsitzender der Chinesischen Bankregulierungs-Kommission, auf dem Forum.