Nachdem es in Kaschmir zu einer Zunahme der Konflikte zwischen Indien und China gekommen war, bemühen sich beide Seiten um Entspannung. Der indische Außenminister hält sich derzeit zu einem dreitägigen Besuch in Beijing auf.

Der indische Botschafter in China, Vikram Misri (Mitte), und Teilnehmer des China-Indien-Austauschprogramms bei einem Empfang in der indischen Botschaft in Beijing, Foto: Li Jieyi, GT.

Seit einigen Tagen wachsen die Spannungen zwischen Indien und Pakistan. Der dreitägige Besuch eines indischen Spitzendiplomaten in China solle dazu beitragen, die Situation zu stabilisieren und weitere Konflikte durch Fehleinschätzungen oder irrationalen Entscheidungen zu vermeiden, teilten chinesische Beobachter am Sonntag mit.

Nach Berichten der indischen Nachrichtenagentur PTI traf Indiens Außenminister Subrahmanyam Jaishankar am Sonntag in Beijing ein. Er ist der erste indische Minister seit dem Amtsantritt Narendra Modis, der China besucht.

Der Besuch folgt auf den Schritt Indiens vom 5. August, den Sonderstatus des von Indien kontrollierten Kaschmirs aufzuheben und das mit China umstrittene Ladakh zum Unionsterritorium zu erklären.

Chinas Außenministerium kritisierte den Schritt als schädlich für Chinas territoriale Souveränität, inakzeptabel und nichtig. Auch Pakistan reagierte scharf. Das Land stufte die bilateralen Beziehungen mit Indien herab, schränkte den Handel ein und forderte Indien dazu auf, seinen Hochkommissar zurückzurufen.

Während der indische Minister nach China reist, werden beide Seiten ausreichend Gelegenheit haben, die bilaterale Angelegenheit zu erörtern. Indien wird seine Absichten und Sorgen offen vortragen, um Verständnis der chinesischen Seite zu erhalten, sagte Qian Feng, Forscher an der Tsinghua-Universität, der Global Times. Dabei werde China seinen Standpunkt bekräftigen, seine Unzufriedenheit und seine Ablehnung des indischen Vorgehens zum Ausdruck bringen und das einseitige Vorgehen bei territorialen Streitigkeiten kritisieren, sagte Qian.

Zhao Gancheng, ein wissenschaftlicher Mitarbeiter am Shanghai Institute for International Studies, stellte fest, dass Indiens Schritt die positive Dynamik beeinträchtige und die Verhandlungen zwischen beiden Ländern störe. Indien habe kein Interesse daran, die Beziehungen beider Länder, die sich nach dem Grenzzwischenfall von 2017 wieder verbessert hatten, erneut zu verschlechtern, sagten Analysten.

Indiens plötzlicher und willkürlicher Schritt wecke jedoch Besorgnis darüber, wie weit die territorialen Ambitionen des Landes gehen würden. Wenn Indien seine unvernünftigen Ansprüche auf den mittleren und östlichen Teil der chinesisch-indischen Grenze ausweite und mit militärischen Aktionen provoziere, werde China mit starken Gegenmaßnahmen zurückschlagen, warnte Zhao.

Während des dreitägigen Besuchs wird Jaishankar gemeinsam mit dem chinesischen Außenminister Wang Xi das zweite Treffen des hochrangigen persönlichen Austauschmechanismus zwischen China und Indien leiten.

Der Mechanismus, der im Dezember 2018 eingeführt wurde, ist Teil des Konsenses, den Spitzenpolitiker beider Länder auf ihrem ersten informellen Gipfel im April 2018 in Wuhan erzielt haben, berichtete die Nachrichtenagentur Xinhua.

Es wird erwartet, dass China die Rolle eines Vermittlers zwischen seinen beiden wichtigen Nachbarn in Südasien spielt und dazu beiträgt, dass die Situation nicht außer Kontrolle gerät, sagte Qian.

Der pakistanische Außenminister Shah Mahmood Qureshi stattete China am Freitagabend einen Besuch ab und informierte Wang ausführlich über Pakistans Standpunkt und Maßnahmen zu den neuesten Entwicklungen in Kaschmir. Wang unterstrich, dass keine einseitigen Maßnahmen getroffen werden sollten, mit denen die Lage in der Region verkompliziert werden könnte.

China und Pakistan seien strategische Allwetterpartner. China werde Pakistan weiterhin nachdrücklich bei der Wahrung seiner legitimen Rechte und der Wahrung der Fairness für Pakistan in internationalen Angelegenheiten unterstützen, sagte Wang.

Der Schritt Indiens verletzte Pakistans Interessen und stelle den Status quo ernsthaft in Frage, sagte Hu Zhiyong, ein wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Internationale Beziehungen der Akademie der Sozialwissenschaften von Shanghai, am Sonntag der Global Times. Hu bemerkte, dass die einseitige Aktion Indiens zu einem Krieg mit Pakistan führen könnte.

China wolle nicht, dass die Kaschmir-Frage die Beziehungen zwischen China und Indien behindert und die regionale Stabilität stört. Das Problem könne jedoch nur durch einen Dialog gelöst werden, sagte Zhao. Die Handlungen Indiens würden weitgehend bestimmen, was als Nächstes geschehe, sagte er.