Chinas Staatspräsident Xi Jinping besucht derzeit Russland und trifft dabei zum 30. Mal auf Präsident Wladimir Putin. Ein chinesischer Experte für Außenpolitik und Wirtschaft sieht das Treffen als Zeichen für eine noch engere Beziehung der beiden Länder.

Der chinesische Staatspräsident Xi Jinping (links) gibt seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin die Hand, während er vor seinen Gesprächen in Moskau am 5. Juni 2019 für Fotos posiert.

Der enge Austausch zwischen dem chinesischen und dem russischen Präsidenten stärke die bilaterale wirtschaftliche und handelspolitische Zusammenarbeit, sagte He Zhenwei, Generalsekretär der China Overseas Development Association.

Das Handelsvolumen zwischen China und Russland überstieg Mitte Dezember letzten Jahres 100 Milliarden US-Dollar, ein Rekordhoch in der Geschichte beider Länder.

In einem exklusiven Interview mit China.org.cn sagte He, der historische Erfolg sei auf die häufigen Treffen der beiden Staatsoberhäupter in den letzten Jahren zurückzuführen.

Seit 2013 haben sich der chinesische Präsident Xi Jinping und sein russischer Amtskollege Wladimir Putin etwa 30 Mal getroffen, wodurch das gegenseitige Vertrauen zwischen den beiden Ländern erheblich verbessert und eine solide politische Grundlage für die bilaterale wirtschaftliche und handelspolitische Zusammenarbeit geschaffen wurde.

He, der sich in St. Petersburg aufhält, sagte, dass der Staatsbesuch von Xi in Russland vom 5. bis 7. Juni von beiden Nationen mit Spannung erwartet wurde. „Ermutigt durch die Anwesenheit von Präsident Xi wird eine beispiellose Anzahl von mehr als 1000 chinesischen Wirtschaftsvertretern am 23. Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg teilnehmen."

Im Jahr 2015 unterzeichneten die beiden Staatsoberhäupter eine Gemeinsame Erklärung zur Zusammenarbeit bei der Ausrichtung des Wirtschaftsgürtels der Seidenstraße und der Eurasischen Wirtschaftsunion. Die immer engere strategische Ausrichtung habe den chinesisch-russischen Wirtschaftsbeziehungen neue Impulse verliehen.

He erklärte, dass die bilaterale wirtschaftliche und handelspolitische Zusammenarbeit in der Vergangenheit hauptsächlich zwischen großen staatlichen Energieunternehmen durchgeführt worden sei, während in den letzten Jahren die Zusammenarbeit zwischen kleinen und mittleren Unternehmen in einem breiteren Bereich, einschließlich in der Luft- und Raumfahrt, der Elektronik sowie dem E-Commerce, erheblich zugenommen habe.

Die Zusammenarbeit werde auch auf lokaler Ebene dynamischer, etwa durch die engeren Beziehungen zwischen dem Nordosten Chinas, dem Fernen Osten Russlands und der Baikal-Region sowie entlang der Flüsse Jangtse und Wolga.

He, der einst für die Wirtschaftsabteilung der chinesischen Botschaft in Russland arbeitete, sagte, der chinesisch-amerikanische Handelskonflikt und die Verschärfung der US-Sanktionen gegen Russland könnten neue Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit zwischen China und Russland eröffnen.

„Beispielsweise hat China einen jährlichen Importbedarf für Sojabohnen von rund 90 Millionen Tonnen, und ein Drittel stammt aus den USA. Die Handelsstörungen können sich auf den US-Export von Sojabohnen nach China auswirken und möglicherweise einen großen Markt für russische Sojabohnen schaffen", erklärte er.

In diesem Jahr jährt sich zum 70. Mal die Gründung der Volksrepublik China und die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen China und Russland.He sagte, dass der Besuch von Xi an diesem entscheidenden historischen Punkt die bilateralen Beziehungen -ein Musterbeispiel für die Beziehung zwischen zwei großen Ländern- auf ein neues Niveau heben dürfte. Während seines Besuchs wird Xi eine Reihe von Aktivitäten mit Präsident Putin durchführen, gemeinsam an Veranstaltungen teilnehmen, beispielsweise an einer Zusammenkunft zum 70. Jahrestag der bilateralen Beziehungen. Laut dem chinesischen Vize-Außenminister Zhang Hanhui werden in Xis Anwesenheit zudem einige wichtige Kooperationsdokumente unterzeichnet.