Der Pkw-Absatz in China ist im Jahr 2018 erstmals seit 1990 rückläufig. Ursachen sind die gesamtwirtschaftliche Lage, die steigenden Immobilienpreise und der schwache Aktienmarkt. Autohersteller wollen nun neue Modelle auf den Markt bringen.

Besucher schauen sich auf einer Messe in Kunming im November ein Auto an, Foto: China Daily.

Der Pkw-Einzelhandelsumsatz in China ist im Jahr 2018 um 5,8 Prozent auf 22,35 Millionen gesunken. Dies ist der erste Rückgang seit 1990, langfristig bestehe jedoch noch Spielraum für weiteres Wachstum, sagten Vertreter der Pkw-Vereinigung Chinas am Mittwoch.

Im Dezember lag der Umsatz mit 2,22 Millionen Stück 19,3 Prozent unter dem Vorjahresmonat und markierte damit den siebten rückläufigen Monat in Folge. „Die Situation ist schlimmer, als wir dachten“, sagte Cui Dongshu, Generalsekretär der Vereinigung. Die schlechten Zahlen seien auf eine Reihe von Faktoren zurückzuführen, darunter die gesamtwirtschaftliche Lage, steigende Immobilienpreise und der schwache Aktienmarkt, der das Vertrauen der Kunden gedämpft habe.

Der Rückgang sei auch vor allem auf die außergewöhnlich hohen Umsätze im vierten Quartal 2017 zurückzuführen, da Kunden noch Steuerermäßigungen in Anspruch genommen hätten. Betroffen waren die meisten Automarken. GM, einer der bekanntesten internationalen Fahrzeugmarken, lieferte im vergangenen Jahr 3,64 Millionen Fahrzeuge in China aus, ein Rückgang von fast zehn Prozent im Vergleich zu 2017.

SAIC Motor Co, Chinas umsatzstärkster Automobilhersteller und Partner von GM und Volkswagen, konnte seinen Umsatz im vergangenen Jahr um 1,75 Prozent auf 7,05 Millionen steigern. 2017 verzeichnete das Unternehmen eine Wachstumsrate von 6,8 Prozent.

Geely war im vergangenen Jahr die meistverkaufte chinesische Marke. Der Umsatz stieg seit 2017 um 20 Prozent auf 1,5 Millionen im letzten Jahr, verfehlte jedoch sein Ziel um fünf Prozent. Geely ging nicht davon aus, den Anstieg fortzusetzen, und setzte sich für 2019 ein Umsatzziel von 1,51 Millionen.

Cui sagte, dass der Druck auf die Autohersteller steige, Produkte anzubieten, die von Kunden gewünscht würden. „Sinkende Verkaufszahlen könnten den Prozess der Marktbereinigung beschleunigen und im kommenden Jahr könnten sich einige Unternehmen vom Markt zurückziehen.“

GM sagte, 2019 werde es einen Rekord von mehr als 20 neuen und überarbeiteten Modellen in China vorlegen, von denen etwa die Hälfte neue Namen erhielten. „Chinas Fahrzeugmarkt ist in eine neue Ära der qualitativ hochwertigen Entwicklung eingetreten, in der Produkt- und Servicequalität der Schlüssel zu nachhaltigem Wachstum sein werden“, stellte Matt Tsien, Vizepräsident von GM, fest.

Auch Volkswagen plant, neue Modelle anzubieten. Im Februar komme eine preiswerte Automarke auf den Markt, um tiefer in kleinere Städte des Landes einzudringen, sagte China-Chef Stephan Wöllenstein.

Cui sagte, die Maßnahmen von GM und Volkswagen seien in einer solchen Situation ein kluger Schachzug. Chinas Autoverkäufe, die aus Pkw und Nutzfahrzeugen bestehen, würden langfristig die Marke von 40 Millionen überschreiten.

Der Markt habe im Jahr 2018 einen Tiefpunkt erreichen. 2019 stehe ein Wachstum bevor, was vor allem auf die gesenkten Zölle auf importierte Fahrzeuge aus den USA zurückzuführen sei sowie die Bemühungen der Hersteller, übermäßige Bestände abzubauen.

„Es wird positiv sein, mindestens einen Prozent im Jahr 2019. China hat zudem angekündigt, zusätzliche Stimuli zu beschließen, was für ein weiteres Plus sorgen könnte“, sagte Cui.

In einem Interview mit CCTV, das am Dienstag ausgestrahlt wurde, stellte der stellvertretende Leiter der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission, Ning Jizhe, fest, dass sich der Schwerpunkt der Autoverkäufe von den Städten in ländliche Gebiete verlagere.

Die Aktienkurse von Automobilherstellern auf dem chinesischen Festland verzeichneten am Mittwoch Kursgewinne. Die Kurse von Shanghais Great Wall Motor stiegen um zehn Prozent, SAIC um 3,7 Prozent und die in Hongkong notierte Geely legte um 8,4 Prozent zu.